Bildhinweis: KI-generierte Illustration. Gestaltung: maennerformat.
Ein Schraubenzieher und wenige Handgriffe – mehr braucht es nicht, um schlecht gesicherte Fenster oder Türen aufzuhebeln. Doch stoßen Einbrecher auf mechanischen Widerstand, geben viele ihren Versuch wieder auf. Umso wichtiger ist es, ihnen den Einstieg so schwer wie möglich zu machen. Der Verband Fenster + Fassade (VFF) erklärt, worauf es beim Einbruchschutz zu Hause ankommt.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist wieder gestiegen. Und wer einmal Opfer eines Einbruchs geworden ist, muss damit rechnen, dass der Täter nie gefunden wird, denn die Aufklärungsquote liegt bei nur rund 14 Prozent. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Fast die Hälfte aller Einbruchsversuche scheitert, und zwar an gesicherten Fenstern und Türen. „Baulicher Einbruchschutz lohnt sich. Die meisten Täter kommen nicht mit Spezialwerkzeug, sondern versuchen, Fenster oder Türen mit einem einfachen Schraubendreher aufzuhebeln. Mechanische Sicherungen können genau das verhindern. Elektronische Maßnahmen wie Einbruchmeldeanlagen können diesen mechanischen Schutz ergänzen“, erklärt VFF-Geschäftsführer Frank Lange.
Diese Fenster und Türen bieten Widerstand
Einen soliden Schutz gegen ungebetene Gäste bieten Fenster und Türen der Widerstandsklasse RC2 (Resistance Class). Sie müssen einem Einbruchsversuch mit Werkzeugen wie Schraubenzieher, Zange und Keilen mindestens drei Minuten standhalten. Bei Fenstern erschwert unter anderem eine Sicherheits-Verriegelung an mehreren Punkten im Fensterflügel das Aufhebeln. Auch Beschläge und Bänder, das „Innenleben“ der Fenster, sind entsprechend gesichert. Die Fenstergriffe lassen sich abschließen, damit sie nicht aufgedreht werden können.
Bei Haustüren ist ebenfalls entscheidend, dass sie sich nicht einfach aufhebeln lassen. Wie beim Fenster kommt hier eine Stahlverriegelung an mehreren Punkten zum Einsatz. Ein besonderer Knackpunkt ist aber die Zarge, also der fest mit der Wand verbundene Rahmen der Tür, in die der Schließmechanismus einrastet. Bei einer einbruchhemmenden Tür kann sie hohe Hebelkräfte aufnehmen und in die Wand ableiten.
Wer einen höheren Schutz wünscht, kann auf Fenster und Türen der Widerstandsklasse RC3 setzen. Sie müssen auch einem Einbruchsversuch mit schwererem Werkzeug wie einer Brechstange mindestens fünf Minuten standhalten. Das wird in der Regel durch weitere Sicherheitszapfen und ein Anbohrschutz für das Fenstergetriebe erreicht.
„Welche Widerstandsklasse für die eigene Immobilie sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren und vom persönlichen Sicherheitsempfinden ab. Besonderes Augenmerk sollte auf leicht erreichbare Fenster und Türen sowie schlecht einsehbare Bereiche gelegt werden. Ein Fachbetrieb kann dabei helfen, die passende Lösung zu finden“, empfiehlt Lange.
Sensoren erkennen Einbruchsversuche
Sind Fenster und Türen gewappnet, können elektronische Komponenten zusätzlich schützen. Versteckte Kontakte im Fenster oder der Tür melden beispielsweise, wenn diese aufgehebelt werden. Auch die Verglasung lässt sich überwachen: Kleine Drähte im Glas, oder auf das Glas aufgedampft, schlagen Alarm, sobald das Glas eingeschlagen wird und so der Stromkreis durchbrochen wird. Viele dieser Systeme können zudem mit dem Smartphone oder einer Alarmanlage verbunden werden.
Muss die Fensterscheibe auch gesichert werden?
Fenster und Türen der Klassen RC2 und RC3 enthalten standardmäßig Sicherheitsglas. Aber viele Einbrecher scheuen sich ohnehin davor, die Fensterscheibe einzuschlagen – aus Angst vor Verletzungen oder Lärm. Nur in 10 Prozent der Einbruchsversuche wird eine Scheibe eingeschlagen. Es gibt daher auch die Widerstandsklasse RC2N, die zwar die Sicherheitskriterien gegen das Aufhebeln mit einem Schraubenzieher erfüllt, aber kein Sicherheitsglas enthält. Dies ist gegebenenfalls eine kostengünstigere Option für weniger gefährdete Fenster.
Sind drei Minuten Schutz wirklich ausreichend?
Drei oder fünf Minuten Widerstand gegenüber Einbruchsversuchen klingen nach nicht viel. Bei einem Einbruchsversuch können sie jedoch entscheidend sein. Denn die allermeisten Einbrecher lassen von ihrem Versuch ab, wenn sie keinen sofortigen Erfolg haben. VFF-Geschäftsführer Lange erklärt: „100-Prozentige Sicherheit gegenüber Einbrüchen gibt es nicht. Theoretisch, mit viel Zeit und teurem Werkzeug lassen sich auch gesicherte Fenster und Türen noch überwinden. Aber in der Realität haben Einbrecher diese Zeit nicht. Deshalb lohnt es sich, ihnen Sicherheitsbarrieren in den Weg zu stellen.“
Verhaltensregeln beachten
Auch die beste Sicherheitstechnik hilft nur, wenn ein paar Grundregeln beachtet werden. Denn Einbrecher setzen auf die Nachlässigkeit der Bewohner. Deshalb sollten Fenster und Türen niemals unbeaufsichtigt offenstehen, auch nicht ‚auf Kipp‘ und auch nicht im vermeintlich sicheren Obergeschoss. Fensterexperte Lange erklärt: „Auch ein Sicherheitsfenster schützt nur zuverlässig, wenn es geschlossen ist. In Kippstellung kann es trotzdem mit einem Schraubenzieher mühe- und geräuschlos aus den Angeln gehoben werden.“
Wer Sorge hat, ein Fenster versehentlich gekippt zu lassen, kann auf spezielle Lösungen zurückgreifen. Einige Hersteller bieten Beschläge an, die auch in Kippstellung einen erhöhten Einbruchschutz ermöglichen. Zusätzlich können elektronische Zustandsüberwachungen anzeigen, ob beim Verlassen des Hauses noch ein Fenster oder eine Tür geöffnet ist.
Fördertipp:
Für neue Sicherheitsfenster können unter bestimmten Voraussetzungen Förderprogramme in Frage kommen. Wichtig ist: Nach der Abstimmung mit dem Fachbetrieb wird zunächst ein Auftrag unter Fördervorbehalt erteilt. Danach kann der Förderantrag gestellt werden. Mit der Förderzusage wird der Auftrag verbindlich. Eigentümer sollten sich deshalb frühzeitig informieren und die Förderfähigkeit mit dem Fachbetrieb oder einer Beratungsstelle klären.
Eine erste Orientierung bietet das Wissensportal „Fenster können mehr“. Dort finden Interessierte Informationen rund um moderne Fenster und Türen, Hinweise zu möglichen Fördermitteln sowie Unterstützung bei der Suche nach qualifizierten Fachbetrieben in der Nähe.
Quelle: Verband Fenster + Fassade e.V. (VFF)
Angaben zu Fördermöglichkeiten und Voraussetzungen können sich ändern. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen der zuständigen Förderstellen.


