Schönen Guten Morgen! ✌🏻
Einen Grabstein auszusuchen gehört vermutlich zu den Terminen, auf die sich niemand freut. Und trotzdem kann sich danach etwas leichter anfühlen.
Hier ist Jürgen – Zeit für den Morgenblick!
Heute ist Dienstag, der 15. September 2026.

Gestern hatte ich so einen Termin. Einen, von dem man weiß, dass er irgendwann kommen muss. Und den man trotzdem nicht unbedingt mit großer Begeisterung in den Kalender schreibt.

Wir waren beim Steinmetz. Es ging um einen Grabstein für unser Familiengrab. Allein diese beiden Sätze klingen schwer. Grab. Grabstein. Familie. Abschied. Worte, bei denen sofort etwas mitschwingt. Und vielleicht stellt man sich deshalb auch einen solchen Termin vorher bedrückend vor.

Schweigen. Ernsthaftigkeit. Eine Atmosphäre, in der man nicht so genau weiß, was man eigentlich sagen soll. Aber es war anders. Angenehm. Ruhig. Sympathisch. Sehr menschlich. Und plötzlich spricht man über ganz konkrete Dinge.

Über einen Stein. Eine Form. Eine Schrift. Darüber, was passt. Was schön ist. Was bleiben soll. Eigentlich merkwürdig.

Da sitzt man und trifft ganz sachliche Entscheidungen über etwas, hinter dem so viele Gefühle stehen. Aber vielleicht ist genau das ein Teil von Trauer, über den wir gar nicht so oft sprechen. Trauer besteht nicht nur aus Erinnerungen und Gefühlen. Manchmal besteht sie aus Terminen. Aus Entscheidungen. Aus Dingen, die organisiert werden müssen. Auch dann, wenn man eigentlich lieber überhaupt nichts organisieren möchte. Und manche dieser Dinge schiebt man vielleicht eine Weile vor sich her.

Nicht aus Nachlässigkeit. Sondern weil sie sich schwer anfühlen. Weil man weiß: Wenn wir das jetzt machen, beschäftigen wir uns wieder ganz bewusst damit. Also bleibt dieser Punkt irgendwo im Kopf. Das müssen wir noch machen. Nicht heute. Vielleicht nächste Woche. Irgendwann. Nur verschwindet er dadurch natürlich nicht. Er wartet. Und manchmal wird etwas, das vor einem liegt, im Kopf mit der Zeit sogar größer.

Bis man irgendwann hingeht. Sich hinsetzt. Darüber spricht. Eine Entscheidung trifft. Und danach nach draußen geht und merkt: Auch das haben wir jetzt geschafft. Nicht erledigt im Sinne von: Haken dran, vergessen. Manche Dinge funktionieren so nicht. Aber erledigt im Sinne von: Wir haben uns darum gekümmert. Wir haben eine Entscheidung getroffen. Es darf weitergehen.

Vielleicht kennst Du solche Dinge auch. Es muss kein Grabstein sein. Vielleicht ist es ein unangenehmer Anruf. Ein Gespräch. Ein Termin. Ein Brief, den Du schon seit Tagen öffnen solltest. Eine Entscheidung, vor der Du Dich drückst. Etwas, das immer wieder irgendwo im Hinterkopf auftaucht und sagt: Du weißt, dass ich noch da bin.

Manchmal brauchen solche Dinge Zeit. Das ist in Ordnung. Aber manchmal kommt eben auch der Punkt, an dem das Vor-sich-Herschieben schwerer geworden ist als das Angehen selbst. Und dann kann es erstaunlich guttun, den ersten Schritt zu machen.

Gestern war so ein Tag für mich. Der Grabstein ist ausgesucht. Eine weitere Entscheidung ist getroffen. Und als wir danach gegangen sind, war nicht plötzlich alles leicht. Natürlich nicht. Aber etwas war leichter. Manchmal reicht genau das.

💡 Tipp des Tages:
Wenn Du gerade etwas vor Dir herschiebst, das Dich immer wieder beschäftigt, frag Dich heute einmal: Brauche ich wirklich noch Zeit – oder würde es mir inzwischen guttun, den ersten Schritt zu machen?

Komm gut in diesen Dienstag – und geh heute vielleicht eine Sache an, die schon eine Weile auf Dich wartet.

Man liest sich.
Jürgen

PS:
Manche Termine hakt man nicht einfach ab. Aber es tut gut, wenn man danach sagen kann: Auch das haben wir jetzt geschafft.

Der Morgenblick ist mein täglicher Gruß an Dich.
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