Schönen Guten Morgen! ✌🏻
„Ich leg das mal hier hin.“ Ein vollkommen harmloser Satz – und der Beginn vieler Suchaktionen. 😂
Hier ist Jürgen – Zeit für den Morgenblick!
Heute ist Dienstag, der 29. September 2026.

Es gibt Sätze, bei denen man eigentlich sofort misstrauisch werden sollte.

„Ich leg das mal hier hin“ gehört für mich eindeutig dazu.

Denn „hier“ ist kein richtiger Ort. „Hier“ hat keine Adresse. Es gibt keine Schublade mit der Aufschrift „Hier“ und kein Fach im Schrank, in dem all die Dinge liegen, die wir irgendwann einmal „nur kurz hier“ abgelegt haben.

„Hier“ ist ein Zwischenlager.

Man hat beispielsweise einen Brief in der Hand. Man möchte ihn nicht sofort bearbeiten, aber auch nicht wegheften. Also legt man ihn auf irgendeine Kommode.

Nur kurz. Da sehe ich ihn ja.

Am nächsten Tag liegt etwas darauf. Zwei Tage später steht irgendetwas davor. Eine Woche später fragt man sich:

Wo ist eigentlich dieser Brief?

Und jetzt beginnt das Interessante. Denn man erinnert sich durchaus noch daran, ihn irgendwo hingelegt zu haben.

Mehr aber auch nicht.

Also sucht man.

Auf dem Schreibtisch. Auf der Kommode. In der Schublade. Im Büro. Im Wohnzimmer. Vielleicht sogar in einer Tasche, obwohl man ziemlich sicher ist, dass man ihn niemals dort hineingelegt hat.

Irgendwann steht man mitten in der Wohnung und denkt:

Der kann doch nicht weg sein!

Natürlich nicht.

Er liegt „hier“.

Wir müssen nur noch herausfinden, wo „hier“ war. 😂

Das funktioniert übrigens nicht nur mit Briefen. Sonnenbrillen eignen sich hervorragend dafür. Ladekabel ebenfalls. Kugelschreiber sowieso. Schlüssel, Batterien, Einkaufszettel, irgendwelche kleinen Ersatzteile und Dinge, bei denen man im Moment des Ablegens noch überzeugt war:

Da weiß ich dann, wo es ist.

Dieser Satz ist fast noch gefährlicher.

Denn offenbar überschätzen wir dabei regelmäßig unser zukünftiges Ich.

Das heutige Ich steht beispielsweise am Regal, hat einen kleinen Adapter in der Hand und denkt: Den lege ich jetzt hierhin. Falls ich ihn irgendwann brauche, weiß ich genau, wo er liegt.

Das zukünftige Ich braucht ihn drei Monate später.

Das zukünftige Ich weiß gar nichts. 😂

Es weiß nicht einmal mehr, dass das heutige Ich jemals einen Plan hatte.

Ich glaube, in jeder Wohnung gibt es solche Orte, die offiziell überhaupt keine Ablage sind. Das hindert uns allerdings nicht daran, sie seit Jahren sehr erfolgreich als solche zu benutzen.

Die Ecke auf der Kommode.

Das Stück Küchenarbeitsplatte neben der Tür.

Die Fensterbank.

Der kleine Tisch im Flur.

Oder diese eine Stelle auf dem Schreibtisch, an der Dinge landen, die gerade noch keinen richtigen Platz haben.

Man könnte natürlich sagen: Dann räum sie doch sofort weg.

Ja. Könnte man.

Aber dafür müsste man in diesem Moment wissen, wohin.

Und genau da beginnt das Problem.

Manche Dinge haben offenbar gar keinen festen Platz. Sie ziehen durchs Leben. Heute liegen sie auf der Kommode, morgen in einer Schublade und übermorgen an einem Ort, an dem wir sie ein halbes Jahr später vollkommen überrascht wiederfinden.

Ach! DA ist das!

Dieser Satz gehört nämlich ebenfalls zu diesem System. 😂

Manchmal findet man bei der Suche nach einem Gegenstand sogar etwas anderes wieder, das man vor Monaten gesucht hat.

Den gesuchten Gegenstand findet man natürlich nicht.

Aber immerhin hat man jetzt das Ladekabel wieder, das seit März verschwunden war.

Auch ein Erfolg.

Vielleicht brauchen wir deshalb gar nicht unbedingt mehr Ordnung. Vielleicht müssten wir nur aufhören, beim Ablegen so selbstbewusst zu sein.

Nicht mehr:

„Da weiß ich dann, wo es ist.“

Sondern:

„Ich habe keine Ahnung, ob ich mich daran jemals wieder erinnern werde.“

Das wäre wenigstens realistisch.

Oder wir geben „hier“ endlich einen festen Platz.

Eine Schale. Einen Korb. Eine Schublade.

Alles, was man „nur kurz hier“ ablegen möchte, kommt dort hinein.

Wobei ich uns kenne.

Nach spätestens zwei Wochen wäre diese Schale voll.

Und dann würden wir das nächste Teil danebenlegen.

Nur kurz. 😂

💡 Tipp des Tages:
Wenn Du heute etwas in der Hand hast und denkst „Ich leg das mal hier hin“, halte kurz inne. Entweder bekommt es einen richtigen Platz – oder Du machst wenigstens ein Foto davon. Dein zukünftiges Ich könnte Dir dankbar sein.

Komm gut in diesen Dienstag – und mögest Du heute alles wiederfinden, was Du gestern „nur kurz“ irgendwo hingelegt hast.

Man liest sich.
Jürgen

PS: Falls Du beim Lesen gerade an einen Gegenstand gedacht hast, den Du seit Tagen suchst: Schau mal auf der Kommode nach. Oder auf der Fensterbank. Oder an diesem einen besonders sicheren Ort, den Du garantiert nicht vergessen wolltest. Viel Glück. 😂

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Der Morgenblick ist mein täglicher Gruß an Dich.
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