Manchmal reicht ein Blick nach unten

Ich schaue Männern gerne auf die Füße. Nein, nicht aus dem Grund, den jetzt vielleicht irgendjemand vermutet. Obwohl – lassen wir das.

Mir ist irgendwann aufgefallen, wie unterschiedlich Männer unterwegs sind. Man muss dafür gar nicht lange beobachten. Ein Café in der Innenstadt reicht. Ein Platz mit ein paar Tischen draußen, etwas zu trinken und genügend Zeit. Dann einfach mal schauen, was so vorbeiläuft.

Und plötzlich wird aus einem ganz normalen Samstag eine kleine Modenschau. Nur dass die meisten Teilnehmer vermutlich gar nicht wissen, dass sie gerade teilnehmen.

Der Sneaker-Mann

Fangen wir mit dem Klassiker an. Sneaker.

Weiße Sneaker. Schwarze Sneaker. Bunte Sneaker. Sneaker, die aussehen, als wären sie vor fünf Minuten aus dem Karton gekommen. Und solche, bei denen man vermutet, dass ihr Besitzer mit ihnen bereits halb Europa durchquert hat.

Ich mag Sneaker. Sehr sogar. Interessant wird es aber bei der Frage: Socken?

Manche Männer tragen sie sichtbar und machen daraus gleich einen Teil ihres Outfits. Andere setzen auf diese kleinen unsichtbaren Söckchen, bei denen der Betrachter glauben soll, hier wäre ein Mann tatsächlich barfuß in seinen Sneakern unterwegs. Und manche sind es vermutlich wirklich.

Ich möchte an dieser Stelle nicht über Temperaturen innerhalb eines Sneakers im August nachdenken. Machen wir weiter.

Sandalen. Wir müssen darüber reden.

Der Sommer bringt sie zuverlässig zurück.

Sandalen.

Es gibt Männer, die darin erstaunlich gut aussehen. Lässige Shorts, schönes Shirt, gepflegte Füße – passt. Und dann gibt es natürlich die große Glaubensfrage: Socken oder keine Socken? Ich weiß, dass an dieser Stelle ganze Generationen von Männern miteinander diskutieren könnten. Weiße Tennissocken in Sandalen galten schließlich lange als ungefähr so erotisch wie eine Steuererklärung. Inzwischen sieht man sie wieder.

Mode ist schon faszinierend. Man muss offenbar nur lange genug warten, dann wird irgendwann selbst das wieder angesagt, wofür man früher ausgelacht wurde. Vielleicht sollte ich deshalb doch noch ein paar Dinge aus den Neunzigern aufbewahren.

Der Mann im Lederschuh

Und dann läuft plötzlich einer vorbei, bei dem alles sitzt. Hemd. Hose. Gürtel. Und Lederschuhe, die so glänzen, dass man sich darin vermutlich rasieren könnte. Bei diesem Mann denke ich automatisch: Der hat sich heute Morgen Gedanken gemacht.

Vielleicht hat er einen wichtigen Termin. Vielleicht geht er mit jemandem essen. Vielleicht ist das aber auch einfach sein Stil. Ich mag diesen Gedanken. Dass ein Mann morgens vor seinen Schuhen steht und sich tatsächlich fragt: Welche passen heute zu mir?

Denn dann gibt es natürlich noch die andere Fraktion.

Hauptsache, ich habe Schuhe an

Ich vermute, sie ist ziemlich groß. Schrank auf. Schuhe. Rein. Fertig. Passen die zum Rest? Egal. Sind sie sauber? Geht noch. Sind das eigentlich die Schuhe, mit denen gestern der Müll runtergebracht wurde? Möglich.

Auch das hat etwas angenehm Männliches. Nicht jeder Schuh braucht schließlich ein Stylingkonzept. Manchmal muss er einfach nur verhindern, dass man barfuß durch die Fußgängerzone läuft.

Und dann sind da noch die Boots

Cowboyboots. Derbe Lederboots. Wanderstiefel mitten in der Stadt. Manche Männer tragen Schuhe, die eine Ansage sind. Da schaut man hin. Und manchmal fängt der Kopf automatisch an, Geschichten zu erfinden. Ist der Typ tatsächlich Cowboy? Vermutlich nicht. Hat er ein Motorrad? Vielleicht.

Oder stand er heute Morgen einfach vor dem Spiegel, hat seine Boots angezogen und gedacht: Genau so sehe ich heute gut aus.

Und wisst ihr was? Das gefällt mir.

Vielleicht erzählen Schuhe doch etwas über uns

Natürlich kann man einem Menschen nicht ansehen, wer er ist, nur weil man seine Schuhe betrachtet. Zum Glück.

Der Mann mit den teuren Lederschuhen kann vollkommen chaotisch sein. Der Typ mit den abgetragenen Sneakern vielleicht der ordentlichste Mensch der Welt. Und der Cowboyboot-Träger arbeitet möglicherweise bei einer Versicherung.

Aber trotzdem erzählen unsere Schuhe manchmal eine kleine Geschichte. Darüber, wie wichtig uns Kleidung ist.

Ob wir auffallen wollen.
Ob wir es bequem mögen.
Ob wir Trends mitmachen.
Oder ob wir morgens schlicht denken:

Hauptsache, ich habe Schuhe an. Und irgendwo dazwischen befinden wir uns vermutlich alle. Ich übrigens meistens in Sneakern. Gerne etwas auffälliger. Dazu dürfen die Socken ruhig Farbe haben. Wer mich kennt, weiß: Davon habe ich schließlich genug. Und ja, ich mache mir Gedanken darüber, welche Schuhe zu dem passen, was ich trage.

Nicht stundenlang. Aber ein bisschen schon. Vielleicht schaue ich deshalb auch bei anderen Männern hin. Nicht um zu beurteilen, ob etwas richtig oder falsch ist. Sondern weil ich es spannend finde, wie unterschiedlich wir Männer sind.

Der eine stylt.
Der andere kombiniert.
Der nächste zieht einfach irgendetwas an.
Und alle laufen wir damit durch denselben Samstag.

Samstags eben.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

Und vielleicht schaust du heute unterwegs auch einmal nach unten.

Es gibt erstaunlich viel zu entdecken.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen