Manchmal frage ich mich, ob ich heute eigentlich der Mann bin, der ich früher einmal werden wollte. Vermutlich nicht. Und das ist ziemlich gut so.

Denn wenn ich eines in den vergangenen Jahren gelernt habe, dann vielleicht das: Wir können unser Leben planen, uns Dinge vornehmen und ziemlich genaue Vorstellungen davon haben, wie wir irgendwann einmal sein möchten. Und dann kommt das Leben.

Es verändert uns. Menschen kommen dazu, andere verschwinden. Wir treffen richtige Entscheidungen und ziemlich bescheuerte. Wir werden mutiger, vorsichtiger, gelassener – und manchmal regen wir uns noch immer über Dinge auf, von denen wir längst wissen, dass sie es eigentlich nicht wert sind.

Meine fünf Gedanken dieser Woche hatten zunächst gar kein gemeinsames Thema. Zumindest dachte ich das. Bis zum Freitag.

Montag: Es trotzdem versuchen

„Manchmal beginnt eine gute Woche nicht mit Motivation. Sondern mit Kaffee und dem Entschluss, es trotzdem zu versuchen.“

Es gibt diese Montage. Man wacht auf und könnte Bäume ausreißen. Und dann gibt es die anderen.

Ich halte ja nicht besonders viel davon, sich einzureden, dass man jeden Morgen voller Energie, Tatendrang und guter Laune aus dem Bett springen müsste. Manchmal ist man müde. Manchmal hat man keine Lust. Manchmal schaut man auf die Woche und denkt: Ernsthaft?

Dann darf der große Motivationsschub gerne ausfallen. Kaffee hilft. Und anfangen auch. Denn erstaunlich oft werden aus Tagen, auf die man morgens überhaupt keine Lust hatte, ziemlich gute Tage. Man muss ihnen nur die Chance dazu geben.

Dienstag: Du musst mich nicht verstehen

„Es gibt Dinge, die ich früher unbedingt erklären wollte. Heute denke ich öfter: Du musst mich nicht verstehen. Ich tu’s inzwischen selbst.“

Früher wollte ich verstanden werden. Warum ich etwas mache. Warum ich etwas nicht mache. Warum ich so denke. Warum ich anders entscheide als andere.

Man erklärt und erklärt. Als müsste am Ende das Gegenüber sagen: Ach so! Na dann darfst du natürlich so sein.

Heute sehe ich das anders. Natürlich möchte ich von den Menschen verstanden werden, die mir wichtig sind. Aber ich brauche nicht mehr für alles die Zustimmung anderer. Manche werden mich verstehen. Manche nicht. Und manche wollen es vielleicht auch gar nicht.

Damit kann ich inzwischen ziemlich gut leben. Ich kenne meine Gründe. Das reicht erstaunlich oft.

Mittwoch: Was ist die Aufregung wert?

„Vielleicht bedeutet Gelassenheit nicht, dass einen nichts mehr aufregt. Sondern dass man inzwischen weiß, was die Aufregung nicht wert ist.“

Ich würde euch jetzt gerne erzählen, dass ich mit zunehmendem Alter die vollkommene Gelassenheit erreicht habe. Habe ich nicht. 😄 Es gibt Dinge, die können mich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit auf Betriebstemperatur bringen.

Der Unterschied zu früher ist vielleicht ein anderer: Ich merke schneller, wann es sich nicht lohnt. Nicht jede Diskussion muss geführt werden. Nicht auf jede Bemerkung muss man reagieren. Und nicht jeder Mensch, der einem auf die Nerven geht, verdient deshalb einen dauerhaften Platz im eigenen Kopf.

Das gelingt mir nicht immer. Aber immer öfter. Ich verbuche das als Fortschritt.

Donnerstag: Menschen, die Räume wärmer machen

„Manche Menschen machen einen Raum lauter, wenn sie ihn betreten. Andere machen ihn wärmer. Ich weiß inzwischen, welche mir lieber sind.“

Wir alle kennen wahrscheinlich beide. Menschen, die einen Raum betreten und sofort dafür sorgen, dass jeder weiß, dass sie da sind. Und Menschen, bei denen etwas ganz anderes passiert.

Sie setzen sich dazu. Sie hören zu. Sie lachen. Vielleicht sagen sie gar nicht besonders viel. Und trotzdem verändert sich etwas. Es wird wärmer.

Ich mag solche Menschen. Vielleicht auch deshalb, weil man irgendwann merkt, dass Lautstärke und Größe zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Die Menschen, die in meinem Leben wirklich Spuren hinterlassen haben, waren selten die lautesten. Aber ziemlich oft die wärmsten.

Freitag: Der Mann, der daraus geworden ist

„Ich möchte gar nicht mehr der Mann werden, der ich irgendwann sein wollte. Ich mag den, der unterwegs daraus geworden ist.“

Und plötzlich wusste ich, worum es in meinen Gedanken dieser Woche ging: um mich. Vielleicht auch ein bisschen um euch.

Wir verbringen erstaunlich viel Zeit damit, jemand werden zu wollen. Als junger Mann sowieso. Man hat Vorstellungen vom Leben. Vom Beruf. Von Beziehungen. Davon, wie man wohnen, aussehen, leben und irgendwann einmal sein möchte.

Und natürlich ist es gut, Träume zu haben. Aber das Leben hält sich nicht an unseren Bauplan. Zum Glück.

Denn unterwegs passieren Dinge, die wir niemals eingeplant hätten. Wir begegnen Menschen. Wir lieben. Wir scheitern. Wir fangen neu an. Wir ändern unsere Meinung. Wir entdecken Seiten an uns, die wir früher vielleicht nicht einmal mochten.

Und irgendwann schaut man in den Spiegel und stellt fest: Du bist ganz anders geworden als gedacht. Ich jedenfalls bin es.

Ich möchte nicht zurück und meinem jüngeren Ich erklären, wie es alles besser machen könnte. Der soll ruhig loslaufen. Er wird sich ein paarmal verirren. Er wird Fehler machen. Er wird sich über völlig unwichtige Dinge viel zu viele Gedanken machen.

Und irgendwann kommt er hier an. Bei mir.

Mein Gedanke zur Woche

Vielleicht ist das eine der angenehmeren Seiten des Älterwerdens: Man ist irgendwann nicht fertig. Aber man muss auch nicht mehr ständig jemand werden.

Ich darf montags unmotiviert sein und trotzdem anfangen. Ich muss mich nicht jedem erklären. Ich darf entscheiden, welche Dinge meine Aufregung verdienen. Ich weiß besser, welche Menschen ich gerne um mich habe. Und ich muss keinem alten Bild von mir hinterherlaufen.

Natürlich gibt es noch Dinge, die ich verändern möchte. Pläne. Wünsche. Ideen. Hoffentlich bleibt das auch so. Aber ich möchte nicht mehr ein anderer werden.

Ich möchte einfach weiter herausfinden, was aus diesem Mann noch alles wird.

Und darauf bin ich tatsächlich ziemlich neugierig.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Und morgen? Machen wir weiter. Mal sehen, was unterwegs noch aus uns wird.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen