Nicht jeder Montag braucht Motivation, gute Laune und einen perfekten Start in die neue Woche. Manchmal ist Montag einfach Montag. Und vielleicht darf man diesen kleinen Blues auch einfach mal haben.

Montagmorgen.

Eigentlich ist gar nichts passiert.

Der Wecker hat geklingelt. Draußen beginnt ein neuer Tag. Der Kaffee steht da. Der Kalender weiß, was diese Woche zu tun ist. Das Wochenende war vielleicht sogar richtig schön.

Und trotzdem sitzt man da und denkt:

Och nö.

Keine Katastrophe. Keine große Krise. Nicht einmal unbedingt schlechte Laune.

Einfach dieses kleine Gefühl, dass man heute gerne noch einen Sonntag zwischen Sonntag und Montag geschoben hätte.

Nur einen.

Kann doch nicht so schwer sein.

Wo ist eigentlich meine Motivation?

Montage haben einen schlechten Ruf.

Vielleicht ein bisschen zu Unrecht. Schließlich kann der Montag nichts dafür, dass er direkt nach dem Wochenende kommt.

Trotzdem muss er regelmäßig als Erklärung für erstaunlich viele menschliche Zustände herhalten.

Müde?

Montag.

Keine Lust?

Montag.

Kaffee wirkt nicht?

Montag.

Man schaut auf die Woche und empfindet ungefähr so viel Vorfreude wie auf einen Zahnarzttermin?

Montag.

Natürlich gibt es auch Menschen, die montagmorgens voller Energie aufstehen und denken: Neue Woche! Neue Möglichkeiten!

Ich freue mich für diese Menschen.

Wirklich.

Ich möchte nur gerade nicht mit ihnen sprechen.

Vielleicht war das Wochenende einfach zu schön

Manchmal ist der Montagsblues wahrscheinlich gar kein Zeichen dafür, dass mit dem eigenen Leben etwas nicht stimmt.

Vielleicht war das Wochenende einfach schön.

Man hatte Zeit.

Der Rhythmus war ein anderer. Kein Wecker oder zumindest ein späterer. Frühstück ohne Blick auf die Uhr. Dinge tun, weil man Lust darauf hat und nicht, weil sie im Kalender stehen.

Und plötzlich ist Montag.

Termine.

E-Mails.

Aufgaben.

Verantwortung.

Der Unterschied kann ziemlich groß sein.

Da darf man dem Wochenende ruhig noch ein bisschen hinterherschauen.

Nicht jeder Montag muss großartig werden

Was mich an all den Motivationstipps manchmal stört, ist diese Vorstellung, dass wir jedes unangenehme Gefühl möglichst schnell beseitigen müssten.

Montagsblues?

Sport machen!

Lieblingsmusik hören!

Ziele setzen!

Den Tag positiv beginnen!

Dankbar sein!

Bestimmt kann all das helfen.

Aber vielleicht möchte ich heute Morgen gar nicht sofort an mir arbeiten.

Vielleicht möchte ich einfach meinen Kaffee trinken und ein bisschen grummelig sein.

Darf ich?

Ich finde schon.

Wir müssen nicht aus jedem Montag den besten Montag unseres Lebens machen.

Manche dürfen mittelmäßig sein.

Du bist damit ziemlich sicher nicht allein

Das vergisst man manchmal.

Vor allem dann, wenn man morgens schon Menschen begegnet, die aussehen, als hätten sie ihr Leben seit 6.15 Uhr vollständig unter Kontrolle.

Haben sie vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht.

Der Mann im Auto nebenan hätte möglicherweise ebenfalls lieber Wochenende.

Der Kollege, der gerade seinen Rechner einschaltet, würde vielleicht genauso gerne wieder umdrehen.

Und die Frau mit dem Coffee-to-go vor uns hat möglicherweise bereits beschlossen, dass heute definitiv kein Tag für komplizierte Gespräche ist.

Wir sehen einander diese Dinge meistens nicht an.

Jeder beginnt seinen Montag.

Und vermutlich sind erstaunlich viele dabei, die innerlich ebenfalls denken:

Och nö.

Das finde ich irgendwie beruhigend.

Man darf auch langsam anfangen

Vielleicht muss man den Montag deshalb gar nicht besiegen.

Man kann ihn einfach beginnen.

Eine Sache nach der anderen.

Erster Kaffee.

Erste Mail.

Erste Aufgabe.

Vielleicht eine kleine statt gleich der schwierigsten.

Und irgendwann ist es zehn Uhr.

Dann Mittag.

Plötzlich ist Nachmittag.

Und meistens stellt man irgendwann fest, dass dieser angeblich schreckliche Montag eigentlich gar nicht so schlimm geworden ist.

Er musste nur erst einmal anfangen.

Heute ist eben Montag

Vielleicht wird heute ein richtig guter Tag.

Vielleicht auch nicht.

Vielleicht bist du produktiv, gut gelaunt und bekommst unglaublich viel erledigt.

Vielleicht schleppst du dich ein bisschen durch.

Beides kommt vor.

Ein kleiner Montagsblues bedeutet nicht, dass du dein Leben ändern musst. Und du musst dich dafür auch nicht zusammenreißen, nur weil irgendwo jemand behauptet, erfolgreiche Menschen würden montags um fünf Uhr morgens begeistert aus dem Bett springen.

Du darfst heute ein bisschen müde sein.

Du darfst das Wochenende vermissen.

Du darfst deinen Kaffee trinken und noch nicht wissen, was du von dieser neuen Woche hältst.

Morgen sieht die Welt vielleicht schon wieder anders aus.

Und wenn nicht morgen, dann vielleicht Mittwoch.

Nur eines ist ziemlich sicher: Du bist mit deinem „Och nö“ heute nicht allein.

Also komm.

Wir fangen einfach mal an.

Ist schließlich Montag.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen