Ich mache gerne Selfies.

So. Jetzt ist es raus. 😄

Und in letzter Zeit macht es mir sogar wieder besonders viel Spaß, mich selbst zu fotografieren.

Mal unterwegs.
Mal im Spiegel.
Mal einfach so, weil ich gerade denke: Hey, das gefällt mir.

Und warum eigentlich nicht?

Warum sollte es bei einem Mann automatisch eitel wirken, wenn er sich gerne zeigt?

Ich darf mich selbst gut finden.

Vielleicht liegt genau darin für manche schon das Problem.

Wir Männer dürfen selbstbewusst sein.

Aber bitte nicht *zu* selbstbewusst.

Wir dürfen gut aussehen wollen.

Aber bitte nicht zu lange vor dem Spiegel stehen.

Wir dürfen unseren Körper mögen.

Aber darüber sprechen?

Schwierig.

Und ein Selfie machen, weil wir uns darauf attraktiv finden?

Da kommt schnell der Verdacht der Selbstdarstellung.

Ich sehe das inzwischen anders.

Ich finde, ein Mann darf sich selbst gefallen.

Das war bei mir nicht immer so.

Es gab Zeiten, in denen ich sehr genau darüber nachgedacht habe, wie ich auf einem Foto aussehe.

Bloß nicht ungünstig stehen.

Bloß nicht zu viel Bauch.

Bloß die richtige Perspektive.

Vielleicht kennst du solche Gedanken.

Wir schauen auf ein Bild und entdecken innerhalb von Sekunden fünf Dinge an uns, die uns nicht gefallen.

Dabei übersehen wir manchmal den Mann auf dem Foto.

Uns selbst.

Mit allem, was zu uns gehört.

Heute möchte ich mich nicht mehr verstecken.

Natürlich gefällt mir nicht jedes Foto von mir.

Um Gottes willen. 😄

Manchmal öffnet man die Kamera versehentlich von unten und bekommt sehr eindrucksvoll gezeigt, dass auch Selbstliebe Grenzen kennt.

Aber darum geht es nicht.

Es geht darum, dass ich mich heute zeigen kann, ohne vorher darüber nachzudenken, ob andere mich dafür schön genug, schlank genug, jung genug oder interessant genug finden.

Ich bin ich.

Mit Bart.

Mit grauen Haaren.

Mit Falten.

Mit meinem Körper.

Und wenn mir ein Foto von mir gefällt, dann darf ich mich darüber freuen.

Ein Selfie muss kein Schrei nach Aufmerksamkeit sein.

Natürlich kann man sich im Internet inszenieren.

Machen Menschen jeden Geschlechts.

Aber ein Selfie kann auch etwas ganz anderes sein.

Eine Erinnerung.

Ein Augenblick.

Ein gutes Gefühl.

Vielleicht sogar ein kleines:

„Ja, Mann. Das bist du. Und du gefällst dir gerade.“

Ich finde daran nichts Verwerfliches.

Im Gegenteil.

Es hat bei mir lange genug gedauert, mich selbst so anzunehmen, wie ich bin.

Warum sollte ich das jetzt verstecken?

Stolz auf sich zu sein, ist keine Arroganz.

Das möchte ich überhaupt nicht miteinander verwechseln.

Ich muss mich nicht für besser halten als andere, um mich selbst gut zu finden.

Ich kann einen anderen Mann attraktiv finden und mich trotzdem selbst mögen.

Ich kann jemandem ein Kompliment machen, ohne mich dadurch kleiner zu fühlen.

Und ich kann ein Foto von mir posten, ohne damit zu sagen:

„Schaut her, wie großartig ich bin.“

Vielleicht sage ich einfach:

„Schaut her. Das bin ich.“

Und manchmal ist genau das ein ziemlich großer Schritt.

Also ja: Ein Mann darf sich zeigen.

Mit Shirt.

Ohne Shirt.

Mit kurzen Hosen.

Mit Bauch.

Mit Muskeln.

Mit Falten.

Mit grauem Bart.

Oder komplett angezogen bei schlechtem Licht mit einer Kaffeetasse in der Hand.

Es gibt keine vorgeschriebene Art, wie ein Mann auf einem Foto aussehen muss.

Und auch keine Altersgrenze für Selfies.

Wenn du dich wohlfühlst und dich zeigen möchtest:

Zeig dich.

Nicht für Likes.

Nicht für Bestätigung.

Sondern weil du irgendwann verstanden hast, dass du dich nicht verstecken musst.

Vielleicht ist das nämlich eine der schönsten Seiten am Mannsein:

Sich irgendwann im Spiegel anzusehen und nicht mehr zuerst nach dem zu suchen, was einem nicht gefällt.

Sondern den Mann darin zu erkennen.

Und zu sagen:

Ja. Das bin ich.

Und ich darf stolz darauf sein.

Danke fürs Lesen – starke Gedanken brauchen starke Männer.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen