Schönen Guten Morgen! ✌🏻
Es stehen zwanzig Einkaufswagen da. Und natürlich nehme ich genau den, der beschlossen hat, ausschließlich nach links zu fahren. 😂🛒
Hier ist Jürgen – Zeit für den Morgenblick!
Heute ist Freitag, der 9. Oktober 2026.

Ich glaube langsam, Einkaufswagen suchen mich aus.

Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich mit erstaunlicher Zuverlässigkeit genau den Wagen erwische, bei dem mindestens ein Rad eine vollkommen eigene Vorstellung von der geplanten Fahrtrichtung hat.

Dabei beginnt alles völlig harmlos.

Man kommt am Supermarkt an, steckt seinen Chip hinein, zieht einen Einkaufswagen aus der Reihe und fährt los.

Die ersten fünfzig Zentimeter wirken noch unauffällig.

Dann kommt es.

Klack. Klack. Klack. Klack.

Oder der Wagen zieht plötzlich nach links.

Man korrigiert nach rechts.

Der Einkaufswagen zieht wieder nach links.

Man drückt ein bisschen stärker dagegen und spätestens jetzt ist klar: Dieser Einkauf wird kein gemütlicher Spaziergang durch den Supermarkt.

Wir beide werden arbeiten müssen. 😂

Das eigentlich Interessante passiert aber genau in diesem Moment.

Ich könnte umdrehen.

Der Einkaufswagen steht vielleicht drei Meter von den anderen entfernt. Ich müsste lediglich zurückgehen, ihn wieder hineinschieben und einen anderen nehmen.

Eine Sache von vielleicht 20 Sekunden.

Mache ich das?

Natürlich nicht.

Jetzt habe ich ihn schon.

Jetzt müssen wir da gemeinsam durch.

Warum eigentlich?

Keine Ahnung.

Vielleicht entwickelt man innerhalb dieser ersten drei Meter bereits eine merkwürdige Form von Verantwortungsgefühl.

Andere Menschen geben diesen Wagen vielleicht auf.

Ich nicht.

Wir schaffen das.

Also geht es hinein.

Erste Kurve Richtung Obst und Gemüse.

Der Wagen möchte weiterhin nach links.

Ich möchte nach rechts.

Wir einigen uns irgendwo in der Mitte und verpassen beinahe die Tomaten.

Spätestens wenn ein paar Dinge im Einkaufswagen liegen, beginnt man zu hoffen, dass zusätzliches Gewicht das Problem lösen könnte.

Vielleicht braucht das kaputte Rad einfach etwas Belastung.

Zwei Flaschen Wasser hinein.

Brot.

Gemüse.

Joghurt.

Jetzt müsste er doch stabiler laufen.

Tut er nicht.

Er fährt jetzt lediglich schwerer nach links.

😂

Besonders schön sind enge Gänge.

Man möchte elegant an einem anderen Kunden vorbeifahren, lenkt ein kleines bisschen zur Seite und der Einkaufswagen entscheidet sich genau in diesem Moment für einen spontanen Richtungswechsel.

Entschuldigung.

Sorry.

Der Wagen.

Man zeigt dabei gerne auf ihn, damit vollkommen klar ist:

Ich bin nicht unfähig, einen Einkaufswagen zu bedienen. Das Gerät ist defekt.

Das ist mir wichtig.

😂

Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber ich habe außerdem das Gefühl, dass solche Einkaufswagen lauter sind als alle anderen.

Während die Menschen um einen herum nahezu geräuschlos durch den Markt gleiten, kündigt meiner schon im nächsten Gang meine Ankunft an.

Klack-klack-klack-klack.

Da kommt er wieder.

Der Mann mit dem Einkaufswagen.

Man braucht keine Hupe.

Man hört uns.

Und natürlich kommt irgendwann während des Einkaufs dieser Gedanke:

Beim nächsten Mal tausche ich ihn sofort um.

Ganz sicher.

Sobald ich merke, dass ein Rad nicht richtig läuft, drehe ich um.

Keine Diskussion.

Ich nehme einen anderen.

Das ist vernünftig.

Das ist erwachsen.

Das ist eine Sache von zwanzig Sekunden.

Beim nächsten Einkauf ziehe ich einen Wagen heraus.

Fahre los.

Klack. Klack. Klack.

Und denke: Ach, komm. Geht schon. 😂

Vielleicht gibt es Dinge, aus denen man einfach nicht lernt.

Oder vielleicht gehört dieser eine kaputte Einkaufswagen inzwischen einfach zum Einkauf dazu.

Andere Menschen haben ihren Lieblingsparkplatz.

Ich habe offenbar meinen Problemwagen.

Nur dass es jedes Mal ein anderer ist.

Das muss man auch erst einmal schaffen.

💡 Tipp des Tages:
Wenn Dein Einkaufswagen heute nach den ersten Metern klackert, quietscht oder konsequent in die falsche Richtung zieht: Bring ihn zurück. Wirklich. Du darfst das. Niemand erwartet von Dir, dass Ihr gemeinsam bis zur Kasse durchhaltet.

Komm gut in diesen Freitag – und möge Dein Einkaufswagen heute einfach geradeaus fahren. Manchmal darf man im Leben schließlich auch bescheidene Wünsche haben.

Man liest sich.
Jürgen

PS:
Falls Du mich irgendwann im Supermarkt siehst und mein Einkaufswagen laut klackernd nach links zieht: Sag nichts. Ich weiß es. Und zu diesem Zeitpunkt sind wir emotional vermutlich schon zu eng miteinander verbunden, um uns noch zu trennen. 😂🛒

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Der Morgenblick ist mein täglicher Gruß an Dich.
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