Es gibt Begrüßungen, über die Männer eher selten sprechen.

Dabei kennen ziemlich viele von uns diese hier: Morgens werden langsam die Augen wach. Der Kopf hätte gerne noch eine halbe Stunde Schlaf. An Kaffee ist noch nicht zu denken. Aber einer ist schon da. Guten Morgen! 😏

Die morgendliche Erektion gehört für viele Männer über Jahre ganz selbstverständlich zum Aufwachen dazu. Man denkt nicht groß darüber nach. Bis sie vielleicht irgendwann seltener wird. Und plötzlich kommt eine Frage auf, die man vermutlich nicht beim Frühstück mit den Kollegen diskutiert: Was ist eigentlich, wenn er morgens nicht mehr grüßt?

Erst einmal: kein Grund für Männerpanik

Eine Morgenerektion ist nicht einfach das Ergebnis eines besonders aufregenden Traums. Und sie bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass wir gerade Lust auf Sex haben. Während des Schlafs kann es mehrfach zu Erektionen kommen, insbesondere im Zusammenhang mit REM-Schlaf. Wir bemerken davon meistens nichts. Wachen wir während oder kurz nach einer solchen Phase auf, kann eine dieser nächtlichen Erektionen eben noch da sein.

Und manchmal? Passiert morgens einfach nichts. Auch das kommt vor. Wie häufig und ausgeprägt nächtliche und morgendliche Erektionen auftreten, kann sich zudem im Laufe des Lebens verändern. Ein einzelner Morgen ohne den gewohnten „Gruß“ ist deshalb noch kein Grund, sich verrückt zu machen.

Eigentlich könnten wir uns also umdrehen und weiterschlafen. Wenn da nicht dieser Männerkopf wäre.

Funktioniere ich noch?

Genau hier wird das Thema für mich interessant. Denn aus einer ausgebliebenen körperlichen Reaktion kann ziemlich schnell eine Frage an das eigene Mannsein werden.

War das früher nicht häufiger?
Ist das jetzt das Alter?
Habe ich weniger Lust?
Funktioniert beim Sex noch alles?
Und irgendwann vielleicht sogar: Bin ich deshalb weniger Mann?

Nein. Denn eine Erektion ist eine körperliche Reaktion. Kein Männlichkeitstest.

Unser Körper verändert sich

Darüber haben wir bei Mannsein inzwischen schon öfter gesprochen. Haare werden grau. Falten kommen hinzu. Der Körper sieht mit 50 anders aus als mit 25. Warum sollte ausgerechnet unsere Sexualität von Veränderungen ausgenommen sein? Trotzdem scheint gerade die Erektion für viele Männer eine besondere Bedeutung zu haben. Sie soll funktionieren. Am besten zuverlässig. Und möglichst soll sich über Jahrzehnte überhaupt nichts verändern.

Dabei ist unser Körper keine Maschine. Er war es mit 25 nicht. Und mit 50 ist er es erst recht nicht. Vielleicht wäre es ganz gesund, wenn wir aufhören würden, ihn wie eine zu behandeln.

Trotzdem sollten wir Veränderungen ernst nehmen

Und hier möchte ich bei aller Lockerheit über das Thema eines nicht sagen: „Ach, ist halt das Alter.“ Wenn morgendliche Erektionen über längere Zeit deutlich seltener auftreten oder ausbleiben und du gleichzeitig bemerkst, dass es beispielsweise beim Sex Schwierigkeiten mit einer Erektion gibt, kann es sinnvoll sein, das ärztlich anzusprechen.

Erektionsprobleme können unterschiedliche körperliche und psychische Ursachen haben. Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Deshalb gehört die Suche nach der Ursache in ärztliche Hände und nicht in eine nächtliche Google-Sitzung mit anschließendem Kopfkino.

Hinzu kommt: Anhaltende Erektionsstörungen können auch mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren beziehungsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen. Die medizinischen Leitlinien berücksichtigen deshalb bei der Abklärung auch die kardiovaskuläre Gesundheit.

Darüber mit einem Arzt zu sprechen, ist nicht peinlich. Es ist vernünftig.

Vielleicht sollten Männer überhaupt mehr darüber reden

Nicht über Zentimeter. Nicht darüber, wer angeblich wie lange kann. Und nicht über irgendwelche Heldengeschichten aus dem Schlafzimmer.

Sondern über die Dinge, die Männer tatsächlich beschäftigen. Über Lust und Unlust. Über Unsicherheit. Über Veränderungen. Über Erektionen. Und auch darüber, wenn etwas einmal nicht funktioniert. Vielleicht würden dann ziemlich viele Männer feststellen: Ich bin mit meinen Gedanken gar nicht so allein. Und vielleicht würden wir auch endlich ein bisschen von diesem Leistungsdenken loskommen, das selbst im Bett noch meint, uns sagen zu müssen, wann ein Mann ein „richtiger Mann“ ist.

Und wenn er morgen wieder grüßt?

Dann kannst du natürlich freundlich zurückgrüßen. 😏

Und wenn nicht? Dann machst du dir erst einmal einen Kaffee.

Nimm deinen Körper wahr, statt ihn sofort zu bewerten. Und wenn du feststellst, dass sich dauerhaft etwas verändert hat oder du dir Sorgen machst, sprich darüber mit einem Arzt oder Urologen.

Denn Mannsein bedeutet für mich nicht, dass unser Körper jederzeit funktionieren muss.

Es bedeutet auch, Veränderungen wahrzunehmen und gut mit sich selbst umzugehen. Ob mit morgendlichem Gruß oder ohne.

Danke fürs Lesen – starke Gedanken brauchen starke Männer.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Wenn Veränderungen länger anhalten, weitere Beschwerden auftreten oder du dir Sorgen machst, wende dich an deinen Arzt oder Urologen.

Quellen & weiterführende Informationen: Für die medizinischen Informationen dieses Beitrags wurden unter anderem Informationen der Cleveland Clinic zu morgendlichen Erektionen sowie die Leitlinien der European Association of Urology (EAU) zu Erektionsstörungen herangezogen.