Also dann. Mach’s gut.
Abschiede sind interessant.
Vor allem diese kleinen, alltäglichen. Nicht die großen Abschiede, bei denen sowieso jeder weiß, dass jetzt Gefühle erlaubt sind. Ich meine die ganz normalen.
Nach einem Kaffee. Nach einem gemeinsamen Abend. Nach einem Besuch. Am Bahnhof. Vor der Haustür. Auf irgendeinem Parkplatz.
Man hat eigentlich alles gesagt. Trotzdem steht man noch da.
„Also dann.“
„Ja.“
Kurze Pause.
„Mach’s gut.“
„Du auch.“
Und irgendwie ist der Abschied damit noch immer nicht vorbei.
Heute schauen wir Männern beim Abschied zu.
Wann geht man eigentlich?
Das ist schon die erste Herausforderung.
Man hat angekündigt, dass man jetzt langsam losmuss. Jacke angezogen. Schlüssel in der Hand. Eigentlich eindeutige Signale.
Dann fällt einem noch etwas ein.
„Ach, übrigens …“
Zehn Minuten später steht man immer noch da.
Das Gespräch ist inzwischen bei einem völlig anderen Thema angekommen. Die Jacke hat man weiterhin an. Der Schlüssel steckt wieder in der Hosentasche.
Dann der zweite Versuch.
„So. Jetzt aber wirklich.“
Dieser Satz besitzt eine erstaunliche Verbindlichkeit.
Meistens.
Handschlag oder Umarmung?
Auch schön zu beobachten.
Zwei Männer stehen sich gegenüber und für einen sehr kurzen Moment muss geklärt werden, was jetzt passiert.
Hand?
Umarmung?
Diese Mischung aus Handschlag und halber Umarmung, bei der niemand so genau weiß, wann man eigentlich wieder loslässt?
Bei guten Freunden ist die Sache meistens klar.
Umarmung.
Und dann kommt bei manchen Männern noch dieses Klopfen auf den Rücken dazu.
Einmal.
Zweimal.
Vielleicht ist das einfach Zuneigung mit eingebautem Sicherheitsmechanismus.
Nicht zu lange.
Nicht zu innig.
Klopf, klopf.
So. Gefühle erfolgreich übermittelt. 😄
Männer können sich umarmen
Zum Glück.
Ich finde es schön, dass Umarmungen zwischen Männern heute viel selbstverständlicher geworden sind.
Freunde umarmen sich. Väter ihre Söhne. Brüder einander. Männer begrüßen und verabschieden sich mit Nähe, ohne dass daraus gleich eine große Sache gemacht werden muss.
Und vielleicht ist genau das gut daran.
Es muss nicht immer erklärt werden.
Manchmal ist eine Umarmung einfach eine Umarmung.
„Meld dich.“
Auch so ein Satz.
„Meld dich.“
„Mach ich.“
Und beide meinen es vermutlich sogar.
Dann kommt das Leben dazwischen.
Arbeit. Termine. Alltag. Noch schnell dies. Noch schnell das.
Plötzlich sind drei Wochen vergangen.
Oder drei Monate.
Und wenn man sich wieder trifft, braucht es manchmal gar keine große Erklärung. Man setzt sich hin, bestellt einen Kaffee und redet weiter.
Vielleicht sind manche Männerfreundschaften genau so.
Nicht ständig laut.
Nicht täglich sichtbar.
Aber trotzdem da.
Manche Abschiede haben ihre eigene Sprache
Überhaupt sagen Männer manchmal Dinge, die auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär klingen.
„Komm gut heim.“
„Fahr vorsichtig.“
„Schreib kurz, wenn du da bist.“
„Pass auf dich auf.“
Das sind keine großen Sätze.
Aber vielleicht müssen sie das auch gar nicht sein.
Denn hinter einem „Fahr vorsichtig“ kann ziemlich viel stecken.
Du bist mir wichtig.
Ich möchte, dass du gut ankommst.
Ich denke an dich.
Man könnte natürlich auch genau das sagen.
Aber wir wollen es jetzt nicht übertreiben.
Schließlich sind wir hier bei Samstags. 😄
Und dann gibt es Abschiede, die schwerer fallen
Nicht jeder Abschied ist leicht.
Manchmal weiß man, dass man sich länger nicht sehen wird. Vielleicht wohnt jemand weit weg. Vielleicht verändert sich gerade etwas im Leben. Vielleicht war das Treffen besonders schön und man hätte einfach gern noch ein bisschen mehr Zeit gehabt.
Dann dauert die Umarmung vielleicht eine Sekunde länger.
Das Schulterklopfen fällt aus.
Und aus „Mach’s gut“ wird:
„Pass wirklich auf dich auf.“
Man versteht den Unterschied.
Vielleicht brauchen wir gar nicht so viele Worte
Ich glaube ohnehin nicht, dass Männer grundsätzlich weniger fühlen oder weniger Nähe brauchen.
Vielleicht zeigen wir sie manchmal nur anders.
Der eine sagt viel. Der andere wenig. Einer umarmt dich lange. Einer legt dir kurz die Hand auf die Schulter. Und wieder einer schreibt dir zwei Stunden später:
„War schön heute.“
Auch das kann Nähe sein.
Vielleicht sollten wir Männer uns nur ein bisschen öfter erlauben, sie auch zu zeigen.
Ohne großes Nachdenken darüber, ob das jetzt männlich genug ist.
Also dann
Irgendwann muss man tatsächlich gehen.
Die Jacke ist an.
Der Schlüssel wiedergefunden.
Man steht an der Tür.
„Also dann.“
Umarmung.
Vielleicht ein Schulterklopfen.
„Meld dich.“
„Mach ich.“
Dann noch dieser eine Satz:
„Pass auf dich auf.“
Und manchmal ist damit eigentlich alles gesagt.
Wir beobachten. Wir urteilen nicht.
Na ja.
Zumindest versuchen wir es.
Schließlich ist Samstag.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


