Hey MĂ€nner,
es gibt Dinge, ĂŒber die habe ich mir jahrzehntelang ĂŒberhaupt keine Gedanken gemacht. Wenn die Hose nicht richtig sitzt, richtet man sie. Wenn die Unterhose irgendwo kneift, zieht man sie zurecht. Fertig.
Zumindest dachte ich das.
Bis ich vor einiger Zeit ĂŒber einen Artikel gestolpert bin, der sich ziemlich ausfĂŒhrlich mit der Frage beschĂ€ftigte, warum MĂ€nner sich eigentlich so hĂ€ufig in den Schritt greifen. Und plötzlich wurde aus einer ziemlich banalen Bewegung ein KulturphĂ€nomen. Ich las etwas von MĂ€nnlichkeit, Inszenierung, Dominanz und sexueller Geste.
Und dachte irgendwann: Vielleicht sitzt einfach die Unterhose schief.
Nicht jeder Griff ist eine Botschaft
NatĂŒrlich weiĂ ich, was gemeint ist. Es gibt diesen demonstrativen Griff in den Schritt. Auf der BĂŒhne. In Musikvideos. Beim Posieren vor der Kamera.
Manchmal soll er provozieren, manchmal besonders mĂ€nnlich wirken, manchmal ist er ganz bewusst sexualisiert. DarĂŒber können wir gerne reden.
Aber der Mann, der morgens aus dem Bus steigt und sich kurz die Jeans zurechtrĂŒckt? Der verkĂŒndet damit wahrscheinlich eher selten sein VerstĂ€ndnis von MaskulinitĂ€t.
Vielleicht kneift einfach etwas. Vielleicht ist die Hose verrutscht. Oder â MĂ€nner, wir kennen es â da befindet sich gerade irgendetwas nicht mehr ganz dort, wo es sich wesentlich angenehmer befinden wĂŒrde. đ
Menschen richten ihre Kleidung
Und genau deshalb wundert mich manchmal, wie viel Bedeutung wir inzwischen in völlig alltÀgliche Bewegungen hineininterpretieren.
Eine Frau richtet ihren BH. Zieht ihre Bluse zurecht. Zupft am Rock.
Ein Mann richtet seine Hose. Oder greift kurz hinein, weil die Unterhose verrutscht ist.
Menschen tragen Kleidung. Kleidung verrutscht. Menschen richten sie wieder.
Eigentlich ziemlich unspektakulĂ€r. NatĂŒrlich gibt es Grenzen.
Niemand muss minutenlang vor anderen Menschen an seinen intimsten Stellen herumhantieren. RĂŒcksicht und ein bisschen GespĂŒr fĂŒr die Umgebung haben schlieĂlich noch niemandem geschadet. Aber muss aus jedem kurzen Griff gleich eine gesellschaftliche Analyse werden?
Ich glaube nicht.
Muss mÀnnliches Verhalten immer etwas bedeuten?
Vielleicht beschÀftigt mich an der ganzen Sache deshalb gar nicht so sehr der Griff in die Hose. Sondern das, was wir daraus machen. Gerade bei MÀnnern wird inzwischen sehr genau hingeschaut.
Wie sitzt er?
Wie steht er?
Wie breit macht er sich?
Wie spricht er?
Wie schaut er?
Wie verhÀlt er sich?
Manches davon ist wichtig. NatĂŒrlich dĂŒrfen wir darĂŒber sprechen, wie MĂ€nner auftreten und wie unser Verhalten auf andere wirkt. Ich finde es sogar gut, wenn wir MĂ€nner uns selbst gelegentlich hinterfragen. Aber vielleicht dĂŒrfen wir dabei auch ein bisschen entspannt bleiben.
Denn nicht hinter jeder Bewegung steckt Dominanz. Nicht jede breitbeinige Sitzposition ist ein politisches Manifest. Und nicht jeder Griff an die Hose ist eine Demonstration von MĂ€nnlichkeit.
Manchmal ist ein Mann einfach ein Mann, dessen Jeans gerade ziemlich beschissen sitzt.
Ein bisschen weniger Interpretation
Vielleicht tÀte uns das generell ganz gut. Nicht jede Kleinigkeit sofort einordnen. Nicht jedes Verhalten mit einem Etikett versehen. Nicht hinter jeder alltÀglichen Bewegung gleich eine gesellschaftliche Botschaft suchen.
Menschen sind manchmal viel banaler, als wir denken.
Wir kratzen uns. Wir zupfen. Wir rĂŒcken zurecht. Wir haben Kleidung, die kneift.
Und ja: Manchmal sitzt eben die Unterhose schief.
Dann darf ein Mann sie meinetwegen auch richten.
Ich wĂŒrde ihm nur empfehlen, dafĂŒr nicht unbedingt mitten im Restaurant aufzustehen.
Ein bisschen Anstand darf schlieĂlich bleiben. đ
Bleib Echt. Bleib Du! đ§Ą
Man liest sich.
JĂŒrgen


