Gestern hatte ich einen Termin beim Augenarzt. Es geht um meinen grauen Star. Und allein diese beiden Worte machen etwas mit mir: Grauer Star. Ich weiß natürlich, dass Erkrankungen nicht auf einen bestimmten Geburtstag warten. Und trotzdem verbinde ich den grauen Star in meinem Kopf mit dem Alter. Mit später. Mit irgendwann einmal. Nur ist dieses Irgendwann bei mir eben jetzt.

Mit 51. Und ja: Das lässt mich manchmal für einen Moment älter fühlen, als ich mich eigentlich empfinde. Im Kopf fühle ich mich überhaupt nicht alt. Vielleicht ist genau das der seltsame Widerspruch am Älterwerden. Ich habe Ideen. Ich habe Pläne. Ich möchte schreiben, Neues ausprobieren, unterwegs sein, lachen, lieben und noch verdammt viel erleben. Ich stehe morgens nicht auf und denke: So. Jetzt bin ich alt.

Warum sollte ich auch? Und dann gibt es plötzlich diese Momente, in denen der eigene Körper einem etwas anderes erzählt. Der Bart wird grauer. Im Gesicht werden die Falten mehr. Hier zwickt es vielleicht einmal. Und plötzlich sitzt du beim Augenarzt und sprichst über einen grauen Star. Da kommt das Alter auf einmal verdammt nah.

Muss mir das Angst machen? Vielleicht ein bisschen. Zumindest macht es etwas mit mir. Denn solche Momente erinnern mich daran, dass mein Körper sich verändert. Dass ich nicht mehr 25 bin. Aber ganz ehrlich: Ich möchte auch gar nicht mehr 25 sein. Ich möchte nur möglichst lange gesund und mit Freude leben können. Und deshalb gehört für mich zum Älterwerden inzwischen auch etwas anderes: Mich um meinen Körper zu kümmern. Hinsehen. Untersuchen lassen. Und wenn etwas behandelt werden kann, die Möglichkeiten dafür zu nutzen.

Älterwerden bedeutet nicht, alles hinzunehmen. Diesen Gedanken finde ich wichtig. Manches verändert sich und gehört einfach zu uns. Meine Falten zum Beispiel dürfen bleiben. Mein grauer werdender Bart auch. Aber wenn meine Sehkraft schlechter wird und es dafür eine medizinische Behandlung gibt, dann möchte ich mich darum kümmern. Nicht, weil ich gegen das Alter kämpfe. Sondern weil ich mit dem Älterwerden gut umgehen möchte.

Das ist für mich ein großer Unterschied. Und natürlich hoffe ich. Ich hoffe, dass alles gut läuft. Dass die Behandlung das bringt, was medizinisch möglich ist. Und natürlich hoffe ich darauf, anschließend wieder besser sehen zu können. Was tatsächlich passieren wird, werden die Ärzte und die Zeit zeigen. Aber allein die Aussicht darauf fühlt sich gut an. Und vielleicht gehört auch das zum Älterwerden: Nicht nur wahrzunehmen, was schwieriger wird. Sondern auch zu sehen, was man tun kann.

Vielleicht ist 51 einfach genau das. Jung genug, um noch unglaublich viel vorzuhaben. Alt genug, um zu merken, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Und erfahren genug, um sich deshalb nicht verrückt zu machen. Zumindest meistens. 😉

Ja, mein Körper verändert sich. Natürlich tut er das. Ich werde älter. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass mein Leben kleiner werden muss. Im Gegenteil. Ich habe noch verdammt viel vor. Und wenn ich die Welt nach meiner Behandlung tatsächlich wieder ein Stück klarer sehen kann, dann freue ich mich darauf.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Danke fürs Lesen – starke Gedanken brauchen starke Männer.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen