Heute muss ich gar nichts. Eigentlich.
Es ist Samstagmorgen.
Kein Wecker. Kein Termin. Nichts muss.
Ein wunderbares Gefühl.
Bis einem einfällt, was man heute alles erledigen könnte.
Fehler.
Denn Männer am Wochenende zu beobachten, kann ausgesprochen interessant sein. Vor allem dann, wenn sie eigentlich beschlossen hatten, heute einmal gar nichts zu machen.
Willkommen bei Samstags.
Heute haben wir frei.
Also theoretisch.
Der Mann, der schon fertig ist
Es ist 8.30 Uhr.
Du sitzt beim ersten Kaffee.
Vielleicht bist du noch nicht einmal richtig angezogen.
Und irgendwo gibt es garantiert einen Mann, der bereits im Baumarkt war.
Er hat außerdem Brötchen geholt, das Auto getankt und schnell noch etwas zum Wertstoffhof gebracht.
Wenn du ihn fragst, was er heute noch macht, sagt er:
„Nicht viel.“
Natürlich nicht.
Es ist schließlich Wochenende.
Ich bewundere solche Männer ein bisschen. Gleichzeitig möchte ich ihnen manchmal sagen:
Setz dich hin.
Trink einen Kaffee.
Der Samstag läuft nicht weg.
Heute machen wir nichts
Ein wunderschöner Satz.
„Heute machen wir einfach mal nichts.“
Ich mag ihn.
Das Problem beginnt ungefähr zehn Minuten später.
Man sitzt auf dem Sofa, schaut sich um und entdeckt etwas.
Diese eine Schublade könnte man eigentlich mal aufräumen.
Dauert ja nur fünf Minuten.
Also steht man auf.
Wenn man schon dabei ist, könnte man auch gleich den Schrank daneben machen.
Und was liegt eigentlich in dieser Kiste?
Zwei Stunden später sitzt man zwischen Kabeln, Bedienungsanleitungen von Geräten, die man seit 2017 nicht mehr besitzt, drei Kugelschreibern, einer alten Sonnenbrille und Dingen, bei denen niemand mehr weiß, warum sie aufgehoben wurden.
Aber immerhin:
Wir machen heute nichts.
Der Projekt-Mann
Besonders gefährlich ist der Satz:
„Ich müsste eigentlich mal …“
Ich müsste eigentlich mal das Regal befestigen.
Ich müsste eigentlich mal den Keller aufräumen.
Ich müsste eigentlich mal nach dieser Lampe schauen.
Und dann folgt der zweite gefährliche Satz:
„Wenn wir schon dabei sind …“
Damit ist der Samstag gelaufen.
Aus einer lockeren Schraube wird plötzlich ein Projekt.
Werkzeug liegt herum. Irgendetwas muss noch schnell besorgt werden. Im Internet wird recherchiert. Ein YouTube-Video erklärt, dass man das natürlich vollkommen anders machen müsste.
Und irgendwann steht man da und fragt sich:
Warum habe ich nicht einfach die Schraube ignoriert?
Sie war doch glücklich.
Ich war glücklich.
Wir waren alle glücklich.
Und dann gibt es den Genießer
Der macht tatsächlich Wochenende.
Langes Frühstück.
Noch einen Kaffee.
Vielleicht Zeitung oder Tablet.
Später eine Runde raus.
Irgendwo etwas essen.
Nachmittags aufs Sofa.
Und wenn jemand fragt, was er heute gemacht hat, lautet die Antwort:
„Nichts Besonderes.“
Ich finde, das klingt inzwischen ziemlich gut.
Denn irgendwann habe ich angefangen zu verstehen, dass ein freier Tag nicht automatisch mit Aufgaben gefüllt werden muss, nur weil Zeit dafür da wäre.
Wann wurde Nichtstun eigentlich verdächtig?
Vielleicht kennen das einige Männer meiner Generation.
Man hat gelernt, dass es gut ist, etwas zu schaffen.
Fleißig sein.
Anpacken.
Nicht herumhängen.
Und daran ist grundsätzlich auch nichts falsch.
Ich mag es selbst, wenn ich abends sehe, was ich geschafft habe.
Aber irgendwann wird daraus schnell die Idee, dass selbst Freizeit einen Nutzen haben sollte.
Der Spaziergang zählt plötzlich als Bewegung.
Das Buch dient der Weiterbildung.
Der Keller muss endlich ordentlich werden.
Selbst beim Entspannen könnte man wenigstens noch irgendetwas Sinnvolles tun.
Oder eben nicht.
Vielleicht darf ein Samstag einfach ein Samstag sein.
Ich übe noch
Ich gebe zu: Im Nichtstun bin ich nicht immer besonders gut.
Da fällt mir noch etwas ein.
Hier könnte ich schnell etwas erledigen.
Dort wartet noch eine Kleinigkeit.
Und natürlich gibt es immer irgendeine Idee, die man jetzt gleich umsetzen könnte.
Aber ich lerne.
Ein Kaffee kann einfach nur ein Kaffee sein.
Ein Spaziergang muss kein Ziel haben.
Und wenn ich eine Stunde auf dem Sofa sitze und dabei nichts Produktives entsteht, ist die Welt anschließend erstaunlicherweise immer noch da.
Vielleicht ist genau das Wochenende.
Nicht möglichst viel freie Zeit sinnvoll zu nutzen.
Sondern sich auch einmal zu erlauben, sie überhaupt nicht zu nutzen.
Also, Männer:
Heute müssen wir gar nichts.
Eigentlich.
Und falls irgendwo eine Schraube locker ist: Lasst sie.
Bis Montag hält sie bestimmt noch.
Wir beobachten. Wir urteilen nicht.
Na ja. Zumindest versuchen wir es.
Schließlich ist Samstag.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


