Eigentlich wollte ich nur Milch kaufen

Kaufen Männer eigentlich anders ein?

Ich weiß es nicht. Aber wenn man ihnen im Supermarkt ein bisschen zuschaut, könnte man zumindest auf die Idee kommen, dass es sehr unterschiedliche Strategien gibt.

Da gibt es Männer mit Einkaufszettel. Männer ohne Einkaufszettel. Männer mit Einkaufswagen. Männer mit einem Korb, der eigentlich längst zu klein für das geworden ist, was sie inzwischen hineingepackt haben.

Und natürlich den Mann, der mitten im Supermarkt telefoniert und sagt: „Welchen Joghurt wolltest du noch mal?“

Willkommen bei Samstags. Heute gehen wir einkaufen.

Der Mann mit Mission

Ich bewundere ihn ein bisschen. Er betritt den Supermarkt und weiß genau, was er will.

Milch. Brot. Tomaten. Käse. Kaffee. Mehr nicht.

Er geht zielstrebig durch die Gänge. Keine unnötigen Umwege. Kein längerer Aufenthalt vor irgendwelchen Aktionsregalen. Milch, Brot, Tomaten, Käse, Kaffee. Kasse. Fertig.

Dieser Mann kauft nicht ein. Er erledigt einen Auftrag.

Wahrscheinlich könnte man neben ihm kostenlos Schokolade verteilen und er würde sagen: „Steht nicht auf der Liste.“

Beeindruckend.

Und dann gibt es mich

Ich kann durchaus mit einem Plan einkaufen gehen. Wirklich. Ich weiß, was wir brauchen.

Dann betrete ich den Laden.

Und plötzlich steht da etwas, von dem ich vor drei Minuten noch gar nicht wusste, dass ich es brauche.

Ein neuer Kaffee? Interessant. Irgendetwas mit Pumpkin Spice? Schauen wir mal. Ein Brot, das besonders lecker aussieht? Kann man mitnehmen. Und was ist das da?

So wird aus „Ich hole schnell noch drei Sachen“ eine Einkaufstasche, bei der man zu Hause erst einmal erklären muss, wie es dazu gekommen ist.

Die drei Sachen habe ich übrigens meistens auch gekauft.

Meistens.

Der Mann vor dem Regal

Eine meiner liebsten Beobachtungen: Ein Mann steht vor einem Regal und schaut. Lange. Sehr lange.

Vor ihm befinden sich vielleicht 37 Sorten Joghurt. Natur, Vanille, Erdbeere, mit Protein, ohne Zucker, vegan, Bio, griechischer Art, mit Frucht unten, mit Frucht oben. Mit Frucht vermutlich irgendwo dazwischen.

Und dieser Mann wollte eigentlich nur einen Joghurt.

Früher gab es wahrscheinlich drei. Heute braucht man für manche Supermarktregale fast eine Entscheidungsmatrix.

Dann wird das Handy herausgeholt.

„Du, welchen nehmen wir immer?“

Die Antwort am anderen Ende: „Den normalen.“

Ah.

Danke. Problem gelöst.

Einkaufszettel sind übrigens eine gute Erfindung

Man muss sie nur benutzen.

Ich kenne das durchaus: Man schreibt vorher auf, was fehlt. Sehr vernünftig. Dann geht man einkaufen.

Der Zettel steckt sicher in der Tasche.

Dort bleibt er auch.

Schließlich weiß man ungefähr, was draufsteht. Bis man wieder zu Hause ist.

Milch? Da. Gemüse? Da. Kaffee? Natürlich da.

Das eine Ding, wegen dem man überhaupt losgegangen ist?

Vergessen.

Aber dafür haben wir jetzt diesen wirklich interessanten neuen Brotaufstrich. Man muss Prioritäten setzen.

Der Einkaufswagen als Charaktertest

Auch interessant: Wie Männer Einkaufswagen schieben.

Manche gemütlich. Eine Hand am Griff, ganz entspannt durch die Gänge. Andere wirken, als hätten sie zwischen Tiefkühlpizza und Waschmittel noch einen Termin auf der Nordschleife.

Zack links. Vorbei an den Nudeln. Rechts Richtung Getränke. Überholmanöver vor dem Kühlregal.

Und dann kommt die gefährlichste Situation im gesamten Supermarkt: Zwei Einkaufswagen stehen quer im Gang. Ihre Besitzer unterhalten sich.

Dahinter bildet sich langsam Verkehr.

Natürlich sagt niemand etwas. Wir sind höflich. Wir stehen nur da und warten. Und schauen. Vielleicht ein kleines bisschen intensiver.

Irgendwann bemerkt es einer.

„Oh, Entschuldigung.“

Kein Problem.

Wir hatten Zeit.

Und die Kasse?

Hier zeigt sich, wer vorbereitet ist.

Der Profi hat seine Sachen bereits so aufs Band gelegt, dass sie anschließend perfekt in der Tasche verschwinden. Schweres zuerst. Empfindliches zuletzt. System.

Der andere wirft alles aufs Band und entdeckt erst bei der Frage „Mit Karte?“ überrascht, dass dieser Einkauf tatsächlich bezahlt werden muss.

Wo ist der Geldbeutel? Jackentasche? Hosentasche? Rucksack?

Moment.

Hinter ihm wird geatmet.

Etwas lauter als vorher.

Wir beobachten. Wir urteilen nicht.

Ihr kennt das inzwischen.

Kaufen Männer also anders ein?

Keine Ahnung. Und wahrscheinlich ist schon die Frage falsch.

Es gibt nicht den Mann beim Einkaufen.

Es gibt Männer, die planen. Männer, die entdecken. Männer, die fünf Minuten brauchen. Männer, die eine halbe Stunde vor drei verschiedenen Käsesorten stehen können.

Männer mit Liste. Männer ohne Liste. Und Männer, die eine Liste haben und trotzdem nicht draufschauen.

Vielleicht ist genau das wieder das Interessante: Wir machen alle etwas vollkommen Alltägliches. Und trotzdem macht es jeder ein bisschen anders.

Ich werde jedenfalls weiterhin versuchen, mit einem Plan einkaufen zu gehen. Und mich selbstverständlich exakt daran halten.

Außer es gibt etwas Neues. Oder etwas Leckeres. Oder etwas mit Kaffee.

Oder Pumpkin Spice.

Aber sonst. Ganz bestimmt.

Und jetzt entschuldigt mich. Ich wollte eigentlich nur Milch kaufen.

Wir beobachten. Wir urteilen nicht.

Na ja. Zumindest versuchen wir es.

Schließlich ist Samstag.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen