Hey Männer,
ich fahre selbst Auto. Das möchte ich gleich vorwegschicken, bevor jetzt jemand denkt, hier beginnt die große Abrechnung mit Autofahrern. Tut sie nicht.
Mich nerven nicht Autos. Mich nervt Rücksichtslosigkeit. Und davon begegnet mir im Straßenverkehr manchmal erstaunlich viel.
Da wird das Auto mal eben auf dem Gehweg abgestellt. Schließlich ist man ja „nur kurz“ irgendwo drin. Dass ein Mensch mit Rollator, jemand mit Kinderwagen oder ein Rollstuhlfahrer vielleicht nicht mehr vorbeikommt? Offenbar gerade nicht so wichtig. Hauptsache, das Auto steht bequem.
Nur mal schnell den Motor laufen lassen
Auch schön: der Parkplatz direkt vor einem Wohnhaus. Darüber Balkone. Fenster. Schlafzimmer. Und unten steht ein Auto mit laufendem Motor. Eine Minute. Zwei Minuten. Manchmal länger. Warum auch immer. Vielleicht wartet jemand. Vielleicht wird noch schnell etwas am Handy erledigt. Vielleicht soll es im Auto warm oder kühl bleiben. Für denjenigen hinterm Lenkrad mag das angenehm sein. Die Menschen darüber bekommen dafür Motorengeräusch und Abgase frei Haus. Vielen Dank auch.
Dabei wäre es doch so einfach: Motor aus.
Grün heißt offenbar nicht immer Grün
Und dann gibt es noch diese Momente, die ich als Fußgänger besonders liebe.
Die Ampel zeigt Grün. Also gehe ich los. Eigentlich eine ziemlich eindeutige Angelegenheit. Trotzdem gibt es Autofahrer, die beim Abbiegen so nah heranfahren, dass man beinahe das Gefühl bekommt, sich für die Benutzung des Fußgängerüberwegs entschuldigen zu müssen. Manche rollen langsam weiter. Andere stehen gefühlt schon mit der Motorhaube auf dem Zebrastreifen und vermitteln sehr deutlich: Mach mal schneller. Ich möchte hier durch.
Nein. Ich habe Grün. Ich renne jetzt nicht über die Straße, nur damit du drei Sekunden früher weiterfahren kannst.
Es geht nicht um Auto gegen Fußgänger
Genau diese Diskussion möchte ich nämlich nicht führen. Autofahrer gegen Radfahrer. Radfahrer gegen Fußgänger. Fußgänger gegen E-Scooter. Und am Ende sind sowieso immer die anderen die Idioten. Darum geht es mir nicht.
Ich bin je nach Situation selbst Autofahrer und Fußgänger. Viele von uns wechseln diese Rollen jeden Tag. Vielleicht sollten wir uns genau daran öfter erinnern. Wenn ich im Auto sitze, verschwindet der Rest der Welt schließlich nicht. Der Gehweg ist nicht plötzlich mein zusätzlicher Parkplatz. Die Menschen in den Wohnungen rundherum haben nicht automatisch Lust auf meinen laufenden Motor. Und ein Fußgänger vor mir ist kein Hindernis, das möglichst schnell aus dem Weg muss.
Rücksicht kostet meistens erstaunlich wenig
Das ist eigentlich das Absurde daran. Wir reden hier nicht über große Opfer. Motor aus. Das Auto zehn Meter weiter ordentlich abstellen. An der Ampel ein paar Sekunden warten. Einem älteren Menschen Zeit lassen, die Straße zu überqueren. Das kostet vielleicht eine Minute. Manchmal nicht einmal die. Und trotzdem macht es einen gewaltigen Unterschied darin, wie wir miteinander leben.
Denn öffentlicher Raum gehört nicht demjenigen, der gerade das größte oder schwerste Fahrzeug darin bewegt. Er gehört uns allen.
Vielleicht einfach mal die Perspektive wechseln
Ich glaube, vieles wäre schon gewonnen, wenn wir uns gelegentlich fragen würden: Wie wäre es für mich? Wie fände ich es, wenn ich mit dem Rollator auf die Straße ausweichen müsste, weil jemand den Gehweg zugeparkt hat? Wie fände ich es, wenn unter meinem Schlafzimmerfenster minutenlang ein Motor läuft? Und wie würde ich mich fühlen, wenn ich nicht mehr besonders schnell laufen könnte und jemand mit seinem Auto hinter mir schon ungeduldig nach vorne rollt?
Vielleicht lautet die Antwort manchmal: Nicht besonders gut.
Dann wissen wir eigentlich auch schon, was zu tun ist.
Ich wünsche mir keine autofreie Welt.
Ich wünsche mir auch keine neuen Grabenkämpfe zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern.
Mir würde etwas viel Einfacheres reichen:
Ein bisschen mehr Rücksicht.
Motor aus.
Gehweg frei.
Und wenn der Fußgänger Grün hat, darf er sogar ganz in Ruhe über die Straße gehen. Auch wenn es fünf Sekunden länger dauert.
Die holen wir wieder rein. 😉
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


