Hey MĂ€nner,
wann hast du eigentlich das letzte Mal etwas einfach gemacht, weil du es so wolltest? Ohne lange ErklĂ€rung. Ohne Rechtfertigung. Ohne vorher darĂŒber nachzudenken, ob die anderen deine Entscheidung verstehen.
Gar nicht so einfach, oder?
Denn erstaunlich oft reicht ein schlichtes Nein nicht mehr. âDu kommst nicht mit? Warum denn nicht?â â âDu trinkst keinen Alkohol? Wieso?â â âFuĂball interessiert dich nicht? Echt jetzt?â â âDu willst heute lieber alleine sein? Ist irgendwas?â
Und manchmal wĂŒrde ich am liebsten einfach antworten: Nein. Es ist nichts. Ich will nur nicht.
Aus einer Entscheidung wird eine Rechtfertigung
NatĂŒrlich fragen Menschen nach. Das ist normal. Manchmal steckt echtes Interesse dahinter, manchmal Sorge und manchmal schlicht Neugier. Aber ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen einer Frage und der Erwartung, dass ich meine Entscheidung so lange erklĂ€ren muss, bis sie fĂŒr mein GegenĂŒber nachvollziehbar wird.
Denn genau da beginnt etwas, das mich zunehmend stört: Warum muss meine Entscheidung eigentlich fĂŒr jemand anderen logisch sein, damit sie fĂŒr mich richtig sein darf?
Vielleicht möchte ich heute nicht ausgehen. Vielleicht möchte ich keinen Alkohol trinken. Vielleicht möchte ich einen Job nicht mehr machen, obwohl er gut bezahlt ist. Vielleicht brauche ich keine gröĂere Wohnung, kein neues Auto und auch nicht den nĂ€chsten Karriereschritt.
Vielleicht möchte ich mit ĂŒber 50 noch einmal etwas vollkommen Neues anfangen. Oder gerade ĂŒberhaupt nichts Neues.
Vielleicht passt mein Leben einfach zu mir.
Das mĂŒsste doch eigentlich reichen.
Gerade MĂ€nner kennen diese Erwartungen
Auch wir MĂ€nner wachsen mit ziemlich vielen Vorstellungen davon auf, wie unser Leben aussehen sollte. Du solltest etwas leisten. Du solltest erfolgreich sein. Du solltest wissen, was du willst. Du solltest stark sein, aber inzwischen bitte auch ĂŒber deine GefĂŒhle sprechen. Du solltest selbstbewusst sein, aber bloĂ nicht zu dominant. Du solltest auf dich achten, dich aber auch nicht zu wichtig nehmen.
Und wĂ€hrend sich unser Bild von MĂ€nnlichkeit verĂ€ndert â was ich grundsĂ€tzlich gut finde â, kommt manchmal eine neue Unsicherheit dazu: Mache ich es eigentlich richtig?
Bin ich mĂ€nnlich genug? Zu mĂ€nnlich? Zu weich? Zu hart? Zu alt dafĂŒr? Zu jung dafĂŒr?
Und schon erklÀren wir wieder.
Dabei finde ich, dass gerade eine moderne Vorstellung von Mannsein etwas anderes zulassen sollte: Dass ein Mann selbst herausfinden darf, wer er sein möchte.
Nicht der Vater. Nicht die Freunde. Nicht irgendein MÀnnerbild aus vergangenen Jahrzehnten. Aber eben auch nicht irgendein neues MÀnnerbild, in das plötzlich wieder alle hineinpassen sollen.
Nein, man darf nicht einfach immer machen, was man will
Und bevor das hier falsch verstanden wird: NatĂŒrlich mĂŒssen wir uns manchmal erklĂ€ren. Wenn meine Entscheidung meinen Partner, meine Familie, Kollegen oder andere Menschen unmittelbar betrifft, kann ich nicht einfach sagen: âIst halt meine Sache.â
Verantwortung bedeutet auch, miteinander zu reden. Wer andere verletzt, kann sich nicht hinter persönlicher Freiheit verstecken. Und wer eine Verpflichtung eingegangen ist, kann nicht plötzlich behaupten, er schulde niemandem eine ErklÀrung.
Darum geht es mir nicht. Mir geht es um die vielen persönlichen Entscheidungen, bei denen wir trotzdem das GefĂŒhl haben, eine Genehmigung unserer Umwelt zu brauchen. Die brauchen wir nicht.
Mit dem Alter wird das vielleicht leichter
Ich glaube, das ist eines der angenehmen Dinge am Ălterwerden. Man hat schon einiges ausprobiert, ist ein paarmal auf die Nase gefallen und hat Entscheidungen getroffen, die groĂartig waren â und andere, bei denen man sich heute fragt, was einen damals eigentlich geritten hat. đ Und irgendwann merkt man: Die Welt ist trotzdem weitergegangen.
Vielleicht mĂŒssen wir deshalb mit 40, 50 oder 60 nicht mehr jeden Menschen davon ĂŒberzeugen, dass unser Leben richtig ist. Es muss nicht fĂŒr alle anderen richtig sein. Es muss unseres sein.
Ein Nein darf manchmal einfach ein Nein sein
Vielleicht können wir uns deshalb hin und wieder eine ErklÀrung sparen.
âWillst du noch ein Bier?â â Nein, danke.
âKommst du mit?â â Heute nicht.
âWarum machst du das so?â â Weil es fĂŒr mich passt.
Punkt.
Das ist nicht unhöflich und auch keine Arroganz. Es bedeutet lediglich, die eigenen Entscheidungen nicht permanent zur Abstimmung zu stellen. Und vielleicht ist genau das eine Freiheit, die wir uns viel zu selten nehmen: Nicht jedem verstĂ€ndlich machen zu mĂŒssen, warum wir so leben, wie wir leben. Du musst nicht immer alles erklĂ€ren. Manchmal darfst du dir selbst einfach vertrauen. Und wenn jemand unbedingt wissen möchte, warum?
Dann kannst du es ihm natĂŒrlich erklĂ€ren.
Wenn du willst. đ
Bleib Echt. Bleib Du! đ§Ą
Man liest sich.
JĂŒrgen


