Hey Männer,
ich schaue gerne Filme. Und manchmal darf es auch einfach eine schöne Liebesgeschichte sein. Zwei Menschen begegnen sich, verlieben sich, haben ein paar Missverständnisse, streiten vielleicht ein bisschen und finden am Ende doch zueinander. Gerne mit Humor, ein wenig Romantik und einem Happy End.
Kennt man. Gibt es im Fernsehen schließlich reichlich.
Zumindest, solange sich ein Mann und eine Frau ineinander verlieben.
Denn mir fällt in letzter Zeit immer wieder auf, wie selbstverständlich heterosexuelle Liebesgeschichten im deutschen Fernsehen erzählt werden. Ob romantische Komödie, Weihnachtsfilm, Familiengeschichte oder leichte Unterhaltung am Sonntagabend – meistens geht es um sie und ihn.
Und wenn ich eine vergleichbare Geschichte über zwei Männer oder zwei Frauen sehen möchte?
Dann beginnt die Suche.
Wo bleiben eigentlich die anderen Liebesgeschichten?
Natürlich gibt es sie. Filme und Serien, in denen sich zwei Männer oder zwei Frauen verlieben. Manchmal sogar richtig schöne. Ich möchte also keineswegs behaupten, dass solche Geschichten überhaupt nicht stattfinden.
Aber gemessen an der riesigen Auswahl romantischer Unterhaltung erscheinen sie mir erstaunlich selten.
Und wenn ich dann doch einmal eine finde, habe ich manchmal das Gefühl, dass die Liebe allein nicht als Geschichte ausreicht.
Dann braucht es noch ein dramatisches Coming-out. Eine Familie, die alles ablehnt. Gesellschaftliche Ausgrenzung. Eine Beziehung, die unbedingt scheitern muss. Oder gleich ein tragisches Ende.
Versteht mich nicht falsch: Solche Geschichten sind wichtig. Diskriminierung existiert, Coming-outs können schwierig sein und nicht jede Liebe endet glücklich. Darüber müssen Filme und Serien erzählen dürfen.
Aber muss gleichgeschlechtliche Liebe eigentlich so häufig mit einem besonderen Problem verbunden werden?
Zwei Männer. Ein bisschen Romantik. Fertig.
Ich hätte da nämlich eine ziemlich verrückte Idee.
Wie wäre es mit einem Film über zwei Männer, die sich zufällig in einem Café kennenlernen? Der eine verschüttet seinen Kaffee, der andere macht einen blöden Spruch. Beide können sich zunächst nicht besonders leiden, begegnen sich dann aber immer wieder.
Irgendwann verlieben sie sich.
Natürlich gibt es Missverständnisse. Vielleicht einen ziemlich missglückten ersten Kuss. Eine peinliche Begegnung mit der Schwiegermutter. Und irgendwann die große Versöhnung im Regen.
Am Ende stehen beide vor dem Haus, schauen sich an und küssen sich.
Abspann.
Eine romantische Komödie eben.
Keine große gesellschaftliche Botschaft. Kein tragisches Schicksal. Kein Film, der unbedingt erklären muss, warum diese beiden Männer einander lieben dürfen.
Sie tun es einfach.
Und bei zwei Frauen funktioniert das genauso.
Warum ist das Normale so ungewöhnlich?
Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem.
Wenn ein Mann und eine Frau im Fernsehen eine Liebesgeschichte erleben, muss ihre Heterosexualität normalerweise nicht erklärt werden. Niemand fragt, warum ausgerechnet diese beiden Menschen zusammenkommen dürfen.
Ihre Liebe ist einfach der Ausgangspunkt der Geschichte.
Bei gleichgeschlechtlichen Paaren wird dagegen noch immer häufig die sexuelle Orientierung selbst zum Thema.
Dabei könnte man doch längst einen Schritt weiter sein.
Zwei Männer können sich verlieben, ohne dass ihre Beziehung zum gesellschaftlichen Konflikt werden muss. Zwei Frauen können gemeinsam Weihnachten feiern, ohne dass die ganze Handlung davon lebt, wie ihre Umgebung darauf reagiert.
Und ja, auch schwule Männer können romantisch, kitschig, albern, eifersüchtig oder vollkommen ungeschickt sein.
Wir können sogar schlechte Liebeskomödien vertragen. 😄
Denn auch das gehört irgendwie zur Gleichberechtigung: dass nicht jede Geschichte außergewöhnlich, bedeutungsschwer oder preisverdächtig sein muss.
Manchmal reicht ein schöner Film für einen gemütlichen Abend.
Es geht nicht darum, andere Geschichten zu verdrängen
Ich möchte ausdrücklich nicht weniger Liebesgeschichten zwischen Männern und Frauen sehen.
Warum auch?
Ich möchte nur, dass die Vielfalt des wirklichen Lebens selbstverständlicher in der Unterhaltung vorkommt.
Denn Liebe ist schließlich keine Erfindung des Fernsehens. Sie findet jeden Tag statt. Zwischen Männern und Frauen, zwischen zwei Männern, zwischen zwei Frauen und zwischen Menschen, die sich nicht in diese einfachen Kategorien einordnen.
Wir verlieben uns. Wir streiten. Wir versöhnen uns. Wir ziehen zusammen. Wir verbringen Feiertage miteinander. Wir wachsen gemeinsam älter.
Manchmal funktioniert eine Beziehung. Manchmal nicht.
Und manchmal sitzt man nach vielen gemeinsamen Jahren nebeneinander auf dem Sofa und weiß ziemlich genau, warum man sich damals ineinander verliebt hat.
Das ist nicht weniger romantisch, nur weil es sich um zwei Männer handelt.
Vielleicht fehlt einfach ein bisschen Mut
Ich frage mich manchmal, ob Fernsehsender und Produktionsfirmen ihrem Publikum nicht mehr zutrauen könnten.
Muss eine romantische Geschichte wirklich immer nach demselben vertrauten Muster besetzt sein? Oder könnte nicht auch ein Film mit zwei Männern als Liebespaar Menschen berühren, die selbst heterosexuell sind?
Ich jedenfalls kann mich seit Jahrzehnten über Liebesgeschichten zwischen Männern und Frauen freuen, ohne selbst eine solche Beziehung zu führen.
Warum sollte das umgekehrt nicht genauso funktionieren?
Gute Geschichten leben von ihren Figuren, ihren Gefühlen, ihrem Humor und davon, ob wir mit ihnen mitfiebern.
Nicht davon, welches Geschlecht die beiden Menschen haben, die sich am Ende küssen.
Ich wünsche mir einfach mehr Happy Ends
Vielleicht klingt mein Wunsch ziemlich bescheiden.
Ich möchte mehr Liebesfilme sehen, in denen zwei Männer oder zwei Frauen ganz selbstverständlich im Mittelpunkt stehen. Romantische Komödien, Weihnachtsgeschichten, kleine Alltagsfilme, große Gefühle und gerne auch einmal richtig schönen Kitsch.
Ohne dass vorher jemand leiden muss, nur damit die Geschichte gesellschaftlich relevant erscheint.
Natürlich darf es weiterhin Dramen geben. Natürlich dürfen Filme schwierige Themen aufgreifen. Aber eben nicht ausschließlich.
Denn auch gleichgeschlechtliche Liebe verdient Leichtigkeit.
Sie darf lustig sein. Sie darf unbeschwert sein. Sie darf glücklich enden.
Und sie darf manchmal einfach nur schön sein.
Ich wünsche mir nicht weniger Liebesgeschichten zwischen Mann und Frau. Ich wünsche mir einfach mehr Liebesgeschichten für alle.
Und falls jemand bei einer romantischen Komödie über zwei Männer fragt, was daran eigentlich besonders sein soll?
Dann wäre meine liebste Antwort:
Gar nichts. Genau das ist ja das Schöne daran. 🧡
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


