Für ein gutes Instagram-Foto macht man einiges. Man sucht das richtige Licht, die passende Perspektive und setzt sich notfalls auch auf den Boden. Nur über das anschließende Aufstehen spricht irgendwie niemand.

Ich fotografiere gerne. Und wenn ich eine Idee für ein Bild habe, dann möchte ich sie auch ausprobieren. Schließlich soll nicht jedes Foto gleich aussehen. Mal stehe ich, mal sitze ich, mal ist die Kamera etwas höher und manchmal eben ziemlich weit unten.

So weit, so gut.

Neulich hatte ich wieder so eine Idee. Das iPhone wurde aufgestellt, der Bildausschnitt kontrolliert und anschließend setzte ich mich auf den Boden.

Ganz freiwillig.

Mit 51.

Ich weiß nicht, ob ich das ausdrücklich erwähnen muss, aber bis zu diesem Zeitpunkt war alles vollkommen problemlos.

Ich saß da, schaute in die Kamera, machte ein paar Aufnahmen und war mit dem Ergebnis sogar recht zufrieden.

Dann wollte ich wieder aufstehen.

Hinsetzen geht. Aufstehen ist eine andere Geschichte.

Es ist erstaunlich, wie wenig Gedanken man sich über das Hinsetzen macht. Man geht einfach nach unten. Die Schwerkraft hilft dabei schließlich kräftig mit.

Nur leider funktioniert das Ganze in die andere Richtung nicht ganz so mühelos.

Ich saß also auf dem Boden und überlegte kurz, wie ich jetzt am besten wieder in die Senkrechte komme.

Erst auf die Knie? Eine Hand aufstützen? Vielleicht doch lieber seitlich drehen?

Man möchte ja schließlich nicht aussehen, als müsste man nach einem Sturz von der Bergwacht geborgen werden.

Und während ich mich da so sortierte, musste ich über mich selbst lachen.

Für ein Instagram-Foto setze ich mich ohne zu zögern auf den Boden. Aber über den Rückweg hätte ich vielleicht vorher nachdenken sollen.

Was man für ein gutes Foto alles macht

Das Interessante ist ja, dass man dem fertigen Bild nichts davon ansieht.

Da sitzt ein Mann ganz entspannt auf dem Boden. Vielleicht mit einem lässigen Blick, vielleicht ein bisschen nachdenklich. Alles wirkt vollkommen selbstverständlich.

Was außerhalb des Bildausschnitts passiert, bleibt ein Geheimnis.

Niemand sieht, wie oft ich vorher die Kamera ausgerichtet habe. Niemand sieht die kleinen Korrekturen an der Sitzposition. Und schon gar niemand sieht, wie ich mich anschließend wieder hochgearbeitet habe.

Eigentlich schade.

Denn manchmal wäre genau das die unterhaltsamere Geschichte.

Instagram zeigt eben meistens den gelungenen Augenblick. Nicht unbedingt die fünf Minuten davor oder danach.

Und das ist auch völlig in Ordnung. Ich mache schließlich Fotos, weil es mir Spaß macht. Nicht, weil ich jeden Handgriff dokumentieren möchte.

Trotzdem finde ich den Gedanken amüsant, wie viel Einsatz manchmal hinter einem Bild steckt, das später ganz beiläufig aussieht.

Mit 51 darf man darüber lachen

Natürlich bin ich mit 51 nicht alt. Jedenfalls nicht in meiner eigenen Wahrnehmung.

Ich habe Lust auf Neues, probiere Dinge aus und denke bei einer guten Fotoidee nicht zuerst darüber nach, ob ich dafür vielleicht einen Stuhl brauche.

Aber ich merke durchaus, dass mein Körper gelegentlich eine andere Meinung zu meinen spontanen Einfällen hat.

Nicht dramatisch. Nicht tragisch.

Eher so, als würde er mich freundlich daran erinnern, dass wir beide inzwischen ein paar Jahre miteinander unterwegs sind.

Und weißt du was?

Ich finde, darüber darf man lachen.

Man muss nicht jede kleine Veränderung des Körpers zum Problem erklären. Man muss sich aber auch nicht einreden, dass mit 51 alles noch genauso funktioniert wie mit 21.

Manches geht heute vielleicht etwas langsamer.

Dafür weiß ich inzwischen ziemlich genau, was ich möchte.

Zum Beispiel ein gutes Foto.

Hauptsache, das Bild ist gelungen

Am Ende stand ich natürlich wieder.

Ganz ohne fremde Hilfe, ohne größere Zwischenfälle und mit einem durchaus brauchbaren Foto auf dem iPhone.

Ich schaute es mir noch einmal an.

Ja, das hatte sich gelohnt.

Und vermutlich werde ich mich für die nächste gute Bildidee wieder auf den Boden setzen. Warum auch nicht?

Vielleicht überlege ich mir dann nur vorher, wie ich anschließend wieder hochkomme.

Oder ich stelle vorsichtshalber einen Stuhl daneben.

Nicht fürs Foto.

Für die Zeit danach.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen