Kaum ist der Sommer vorbei, werden die Abende kühler und irgendwann steht man vor dem Heizkörper. Eigentlich wollte man die Heizung noch gar nicht aufdrehen. Aber die Kälte hat offenbar andere Pläne.
Es beginnt ganz harmlos.
Man sitzt gemütlich auf dem Sofa, liest etwas oder schaut Fernsehen. Irgendwann merkt man, dass die Füße kalt werden. Also zieht man Socken an. Vielleicht sogar etwas dickere.
Eine Weile funktioniert das wunderbar.
Dann wird es auch an den Armen frisch. Also kommt noch eine Jacke oder ein Pullover dazu. Schließlich ist Herbst, und ein bisschen kühl darf es ja sein.
Nur irgendwann sitzt man vollständig angezogen im Wohnzimmer und schaut verstohlen zum Heizkörper.
Eigentlich könnte man ihn ja aufdrehen.
Aber nein.
Noch nicht.
Wie lange halte ich dieses Jahr durch?
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber irgendwie versuche ich jedes Jahr, den Beginn der Heizsaison möglichst lange hinauszuzögern.
Nicht unbedingt aus sportlichem Ehrgeiz. Eher wegen dieser Mischung aus Vernunft, Gewohnheit und dem Gedanken an die nächste Heizkostenabrechnung.
Schließlich ist es doch gerade erst Herbst geworden.
Muss man da wirklich schon heizen?
Also schaut man auf das Thermometer, zieht sich etwas Wärmeres an und erklärt sich selbst, dass die Raumtemperatur eigentlich noch vollkommen in Ordnung ist.
Zumindest theoretisch.
Praktisch sieht die Sache manchmal anders aus.
Besonders dann, wenn man am Schreibtisch sitzt und die Finger langsam kalt werden. Oder wenn man morgens ins Badezimmer kommt und plötzlich feststellt, dass die angenehmen Sommertemperaturen endgültig Geschichte sind.
Der Heizkörper gewinnt
Irgendwann kommt dieser eine Moment.
Man geht zum Heizkörper, legt kurz die Hand darauf und dreht das Thermostat ein Stück auf.
Ein kleiner Dreh.
Mehr nicht.
Und trotzdem fühlt es sich beinahe wie eine Kapitulation an.
Die Heizsaison hat begonnen.
Wieder einmal früher, als ich eigentlich wollte.
Dabei ist es natürlich vollkommen unsinnig, daraus einen Wettbewerb zu machen. Niemand bekommt einen Pokal dafür, dass er möglichst lange in einer kalten Wohnung sitzt.
Und gemütlich ist es auch nicht, wenn man sich beim Fernsehen am liebsten in drei Decken einwickeln würde.
Trotzdem gibt es diesen kleinen inneren Widerstand.
Vielleicht, weil das erste Aufdrehen der Heizung auch bedeutet, dass der Sommer jetzt wirklich vorbei ist.
Wärme ist schließlich auch Lebensqualität
Natürlich muss nicht jeder Raum ständig kuschelig warm sein. Und ein bisschen auf den Energieverbrauch zu achten, ist durchaus vernünftig.
Aber zu Hause sollte man sich wohlfühlen können.
Ich möchte schließlich nicht am Schreibtisch sitzen und darüber nachdenken, ob ich zum Tippen Handschuhe brauche.
Und ich möchte abends auf dem Sofa entspannen, ohne mich dabei wie auf einer Expedition durch die Arktis zu fühlen.
Also darf die Heizung eben laufen, wenn es notwendig ist.
Nicht übertrieben. Nicht verschwenderisch. Sondern so, dass es angenehm ist.
Manchmal ist Vernunft nämlich auch, sich einzugestehen, dass Frieren keine besonders überzeugende Sparstrategie ist.
Nächstes Jahr halte ich bestimmt länger durch
Inzwischen ist der Heizkörper warm. Die Füße sind es auch wieder. Und plötzlich fühlt sich das Wohnzimmer genau so an, wie ich es im Herbst eigentlich mag.
Gemütlich.
Draußen darf der Wind wehen, der Regen gegen die Fenster prasseln und die Temperatur weiter sinken.
Drinnen ist es angenehm.
Eigentlich eine ziemlich schöne Sache.
Und während ich mich wieder auf dem Sofa niederlasse, nehme ich mir vor, im nächsten Jahr etwas länger mit dem Heizen zu warten.
Vielleicht bis November.
Vielleicht sogar noch länger.
Ich kenne mich allerdings gut genug, um zu wissen, wie das vermutlich ausgehen wird.
Spätestens wenn die Füße kalt werden, gewinnt wieder der Heizkörper.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


