Manchmal hält sich der Herbst nicht an den Kalender. Er schickt keine Nachricht und macht keinen Termin. Man geht einfach morgens aus dem Haus und merkt: Da ist etwas anders.
Eigentlich war doch gerade noch Sommer. Diese Tage, an denen man morgens schon wusste, dass es warm werden würde. Fenster auf, kurze Hose, T-Shirt. Draußen sitzen, solange es irgendwie geht. Abends noch dieses Licht, bei dem man irgendwann erstaunt auf die Uhr schaut und feststellt, wie spät es schon ist.
Und dann passiert etwas. Nicht plötzlich genug, dass man genau sagen könnte, wann. Aber irgendwann steht man morgens draußen und merkt: Da ist etwas anders.
Das Licht verändert sich
Vielleicht ist es zuerst gar nicht die Temperatur. Es ist das Licht. Die Sonne steht anders. Morgens braucht sie länger, bis sie zwischen den Häusern auftaucht. Abends verschwindet sie früher. Und selbst mitten am Tag hat sie plötzlich diesen anderen Ton. Weicher irgendwie. Wärmer in den Farben, obwohl die Luft kühler wird.
Im Sommer sucht man draußen den Schatten. Jetzt sucht man wieder den Tisch im Café, auf den die Sonne fällt. Vor ein paar Wochen hätte ich mich dort wahrscheinlich beschwert, dass es viel zu heiß ist. Jetzt denke ich: Herrlich. Sonne.
So schnell ändern sich Ansprüche.
Vielleicht doch eine Jacke
Dann kommt dieser erste Morgen. Man öffnet die Tür, geht hinaus und macht nach ungefähr drei Schritten eine interessante Feststellung: Hm. Frisch.
Noch nicht kalt. Davon sind wir weit entfernt. Aber eben auch nicht mehr diese selbstverständliche Wärme, an die man sich über den Sommer gewöhnt hat. Und damit beginnt wieder die komplizierte Jahreszeit der Kleidungsentscheidungen.
Jacke? Keine Jacke? Pullover? Reicht ein T-Shirt?
Morgens zehn Grad, nachmittags zwanzig. Ziehst du dich morgens richtig an, schwitzt du mittags. Ziehst du dich für mittags an, frierst du morgens. Der Herbst verlangt Flexibilität. Oder eine Tasche, in der irgendwann die Jacke landet.
Die ersten Blätter
Und dann sind da die Bäume. Lange sieht man eigentlich kaum etwas. Alles noch grün. Bis plötzlich irgendwo dieses eine Blatt auftaucht. Gelb. Ein anderes wird rot. Ein paar liegen bereits auf dem Gehweg.
Noch ist das kein großer Blätterteppich. Noch raschelt nichts dramatisch unter den Schuhen. Aber der Anfang ist gemacht. In ein paar Wochen werden dieselben Bäume vollkommen anders aussehen.
Ich mag diesen Moment. Vielleicht gerade deshalb, weil er so unspektakulär ist. Niemand schaltet die Landschaft über Nacht von Sommer auf Herbst. Sie verändert sich Stück für Stück. Man muss nur hinschauen.
Die Stadt klingt anders
Vielleicht bilde ich mir das ein, aber selbst eine Stadt fühlt sich im Herbst anders an. Im Sommer ist vieles draußen. Offene Fenster. Balkone. Straßencafés. Menschen sitzen abends lange zusammen. Das Leben dehnt sich irgendwie in die Straßen hinein aus.
Im Herbst zieht es sich langsam wieder zurück. Fenster werden geschlossen. Abends werden die Straßen früher leerer. In Wohnungen geht das Licht an, während draußen noch Menschen unterwegs sind. Und plötzlich sieht eine Straße, die man jeden Tag kennt, wieder ein bisschen anders aus.
Nicht schlechter. Nur anders.
Ich bin noch nicht fertig mit dem Sommer
Vielleicht ist das jedes Jahr mein kleines Problem mit dem Herbst. Ich mag ihn. Wirklich. Die Farben. Das Licht. Diese klaren Tage. Einen Spaziergang, wenn die Sonne scheint und die Luft schon kühler ist.
Aber trotzdem denke ich jedes Jahr: Moment. Ich war doch noch gar nicht fertig.
Da wäre bestimmt noch ein Sommerabend gegangen. Noch einmal draußen sitzen bis spät. Noch einmal morgens aus dem Haus gehen, ohne überhaupt darüber nachzudenken, was man anzieht.
Der Sommer fragt allerdings nicht, ob man mit ihm fertig ist. Irgendwann geht er einfach.
Ziemlich unhöflich eigentlich.
Und dann ist er da
Vielleicht muss man sich deshalb gar nicht sofort auf den Herbst freuen. Man darf dem Sommer ruhig ein bisschen hinterherschauen und gleichzeitig entdecken, was jetzt kommt.
Das erste bunte Blatt. Die tiefere Sonne. Der Morgen, an dem man zum ersten Mal wieder eine Jacke braucht. Das Licht in den Fenstern am frühen Abend. All diese kleinen Dinge, die uns zeigen, dass sich etwas verändert.
Im Kalender beginnt der Herbst an einem bestimmten Tag. Im wirklichen Leben hat er keinen Termin.
Er ist irgendwann einfach da.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


