Der Schnurrbart ist das sichtbare Zeichen des Movember und soll im November Aufmerksamkeit für Männergesundheit schaffen. (Bild: Canva AI)
Erektionsstörungen, zu frühes Kommen oder Schwierigkeiten beim Orgasmus belasten Männer auch abseits des Schlafzimmers. Scham, Leistungsdruck und Rückzug verstärken die psychische Belastung oft zusätzlich. Der Movember rückt im November die Männergesundheit in den Fokus und schafft damit einen Anlass, auch über sexuelle Probleme zu sprechen. „Viele Männer verknüpfen ihre Sexualität mit ihrem Selbstbild. Läuft etwas im Bett nicht wie gewünscht, nagen Zweifel am Selbstwertgefühl und die können Ausgangspunkt für schlimmere psychische Zustände werden“, erklärt Paar- und Sexualtherapeut Gavin Sexton. Der Gründer der Lovebetter Gesellschaft für männliche Sexualität zeigt auf, wie Männer der sexuellen und psychischen Abwärtsspirale entkommen.
- Der Movember rückt jedes Jahr im November die körperliche und psychische Gesundheit von Männern in den Fokus.
- Erektionsstörungen, vorzeitige Ejakulation und Orgasmushemmungen können Selbstwert, Partnerschaft und psychisches Wohlbefinden stark belasten und Depressionen fördern.
- Sexuelle Funktionsstörungen und psychische Beschwerden können sich gegenseitig verstärken.
- Scham und Rückzug verschärfen häufig den Leidensdruck, während offene Gespräche und professionelle Unterstützung entlasten können.
- Ärztliche Abklärung, Therapie, Entspannungsübungen und bewusste Kommunikation helfen dabei, wieder aktiv mit der Situation umzugehen.
Ein Monat für die Männergesundheit
Seit 2003 beginnt am 1. November jeden Jahres der Movember. Damals fanden sich im australischen Melbourne 30 Männer zusammen, um die Rückkehr des Schnurrbarts anzukurbeln und das Thema folgend der Männergesundheit zu widmen. Daraus entwickelte sich eine weltweite Bewegung, die heute vor allem psychische Gesundheit und Suizidprävention sowie Prostata- und Hodenkrebs thematisiert. Der Schnurrbart dient dabei als sichtbarer Gesprächsanlass für Themen, über die viele Männer selten offen sprechen. Dazu zählt auch die sexuelle Gesundheit. Bleibt die Erektion aus, kommt ein Mann regelmäßig früher als gewünscht oder erreicht trotz Erregung keinen Orgasmus, reagieren viele Betroffene mit Scham und Selbstzweifeln. „Viele Männer verbinden ihre Sexualität eng mit ihrem Selbstbild. Sobald der Körper mehrfach anders reagiert als gewünscht, zweifeln sie schnell an sich selbst“, sagt der Berliner Sexualexperte Gavin Sexton. Der Gründer der Lovebetter Gesellschaft für männliche Sexualität weiß, dass hinter den Problemen ganz unterschiedliche körperliche und psychische Faktoren stehen. Stress, Ängste, Medikamente, hormonelle Veränderungen oder körperliche Erkrankungen spielen je nach Störung eine Rolle.
Einfluss von Psyche und Sexualität
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen engen Zusammenhang zwischen sexuellen Funktionsstörungen und psychischer Gesundheit. Besonders deutlich stellt sich das bei Erektionsstörungen dar. Eine Metaanalyse von 49 Veröffentlichungen kam zu dem Ergebnis, dass Depressionen mit einem erhöhten Risiko für erektile Dysfunktion zusammenhängen. Umgekehrt lag das Risiko für Depressionen bei Männern mit erektiler Dysfunktion ebenfalls deutlich höher. Auch bei vorzeitiger Ejakulation finden Studien häufig depressive Beschwerden und Ängste. Im Alltag kann daraus ein Kreislauf entstehen. Nach ersten negativen Erfahrungen steigt die Sorge, dass es beim nächsten Mal erneut Probleme gibt. „Der Mann beobachtet sich stärker, erhöht unbewusst den eigenen Leistungsdruck und verliert die Aufmerksamkeit für Lust und Nähe“, so Sexton. „Die wachsende Anspannung kann die sexuellen Schwierigkeiten weiter verstärken.“ Einige Männer ziehen sich anschließend von sexuellen Situationen oder aus Beziehungen zurück. „Wer das Problem ausschließlich mit sich selbst ausmacht, gibt ihm immer mehr Raum. Aus einer sexuellen Schwierigkeit kann so eine Belastung für Selbstwert, Partnerschaft und psychisches Wohlbefinden entstehen“, erklärt der 37-Jährige.
Aktivität statt Rückzug
Bei länger anhaltenden oder plötzlich auftretenden Beschwerden empfiehlt sich zunächst eine ärztliche Abklärung. Sexual- oder Psychotherapie können helfen, Ängste, Leistungsdruck und belastende Erfahrungen zu bearbeiten. Entspannungsübungen und Atemtechniken reduzieren Anspannung. Offene Gespräche nehmen häufig Druck aus der Situation. „Der Movember motiviert Männer, diesen ersten Schritt zu gehen“, sagt Gavin Sexton. „Schon die Entscheidung, sich Unterstützung zu suchen und das Thema offen anzusprechen, verändert die eigene Haltung. Männer erleben dann: Ich kann etwas tun und muss mich mit dem Problem nicht zurückziehen.“ Der Schnurrbart bleibt einen Monat, Gespräche über Männergesundheit hoffentlich deutlich länger.
Weitere Informationen unter lovebetter.de
Quelle: Lovebetter Gesellschaft für männliche Sexualität mbH
Die Angaben zu sexueller und psychischer Gesundheit dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei anhaltenden oder plötzlich auftretenden Beschwerden sollte eine fachliche Abklärung erfolgen.


